Die Frioul Inseln vor Marseille

Da wir leider keinen Platz im Hafen von Marseille bekommen haben, gehen wir auf die Insel Frioul in Sichtweite von Marseille. Sie besteht aus vier kleineren Inseln. Durch ihre Trockenheit bringt sie eine seltene und besondere Flora und Fauna hervor. Die Inseln gehören zum Europäischen Natura 2000 und zum Nationalpark der Calonques.

Es gibt tiefe Einschnitte in den Felsen mit kleinen Stränden und kristallklarem Wasser in dem man sehr gut schnorcheln kann.

Mit einem Damm verbunden

Wir konnten im Hafen des Dorfes Frioul unterkommen der massig Platz hat.

Es füllte sich zwar, da schlecht Wetter angesagt war, aber immer noch genügend Platz. Viele Gäste kommen für einen Tag mit der Fähre von Marseille um die Calonques zu genießen oder sich die Insel Chateau d’If anzuschauen. Hier wurde der Film von Alexandre Dumas „Der Graf von Monte Christo“, gedreht und so wurde das Inselchen berühmt. In Wirklichkeit kam König Franz der I. auf die Idee hier um 1516 eine Festung zu bauen. Da es aber sehr abgeschieden ist, entstand schnell ein Gefängnis. Um 1800 verlor sie diese Funktion und wurde für die Öffentlichkeit zugänglich.

Wir verbrachten drei Tage im Hafen der durch ein Damm zwischen zwei der Inselchen entstanden ist und super Schutz bringt.

Wir sind über jeden Zipfel der Insel gewandert, haben uns alte Festungsanlagen angeschaut und Kriegsarchitektur die nun zerfällt.

Wir haben die Zeit hier sehr genossen und diese trockene Insel lieben gelernt.

Doch dann kommt der Punkt an dem es weiter gehen soll.

Wir entscheiden uns nicht direkt über den Löwengolf zu gehen, (Die Wetterküche des Mittelmeers mit seinem Mistral) sondern wir wollen ihn aus segeln und die Camargue erleben.

Unser Ziel ist erst mal die Stadt La Grande Motte.

Wir segeln bis zu einer schönen Bucht. Aber morgens um halb vier entschließen wir uns weiter zu segeln, da die Wellen zugelegt haben und schlafen nicht möglich ist.

Es ist irre am Rhone Delta vorbei zu segeln. Es ist sehr flach denn die ca. 800km lange Rhone ist der wasserreichste Fluss von Frankreich und bringt so sehr viel Sand aus dem Delta in den Golf.

Aber wir passen natürlich auf und legen uns vor La Grande Motte in eine Bucht auf 3,80m!!😮😊.

Kommt sehr selten vor bei uns.

Wir haben den Hafen erst zum 1.9. gebucht, da er dann fast die Hälfte kostet. Denn wir sind ja Pfennigfuchser🤣.

Hier bleiben wir eine Woche, wandern den endlosen Strand entlang und machen eine Radtour durch die Camargue. Besuchen die Stadt Aigues Mortes-Sie ist die größte noch erhaltene mittelalterliche Festungsstädte die schon 100 vor Christus als Siedlung erwähnt wurde.

Fahren an Salinen vorbei und genießen diese unbeschreiblich schöne Natur.

Aber der Grund warum wir so lange bleiben ist mein 60igster Geburtstag. Diesen möchte ich in Montpellier verbringen und hier ist es günstig und sicher.

La Grande Motte ist eine etwas gewöhnungsbedürftige Stadt. Die Architektur entstammt einem Künstler der auch die Hauptstadt von Brasilien mit entworfen hat und hier auch mit seinem Können brillierte. Eine vollkommene Retorten Stadt. Wie viele hier im Golf von Lion.

Die einen mögen es, die anderen nicht😉.

Ich freue mich nun auf Montpellier😁.

Die ersten Unwetter

Ich habe ja schon erzählt das wir vor St. Tropez eine ziemlich unruhige Nacht hatten. Wir lagen dort an einer freien Boje und haben uns sehr gefreut darüber. Und das im August😊.

Das Wetter sollte ruhig und der Wind ablandig sein. Am Abend wurden dann die Wellen immer höher und der Wind stärker. Weit draußen muss wohl ein heftiges Gewitter gewesen sein das nicht gemeldet war. Der Wind wurde zum Gewittersturm und die Wellen waren enorm hoch. Wir sind natürlich nicht mehr von Bord gegangen und haben immer wieder die Leinen kontrolliert.

In dieser Nacht war erst nicht an Schlaf zu denken denn wir hüpften vielleicht 2m rauf und runter und irgendwann kamen auch die Wellen von der Seite. Nichts war mehr möglich. Irgendwann wurde es etwas ruhiger und wir kamen doch noch etwas zur Ruhe. Bei einem Kontrollgang merkten wir das sogar ein Festmacher gerissen war. Er wurde erneuert und nachts noch mehrmals kontrolliert aber wir lagen nun wieder gut. Wir sichern uns immer doppelt und das war hier auch sehr gut so!!!

Morgens ging es dann auch gleich weiter die Küste der Cote’ d Azur entlang. Wir haben Strecke gemacht um schnell weiter zu kommen denn es war absehbar das sich die Hitze bald wieder entladen wird. Wir haben in manchen Buchten nur übernachtet und sind gleich weiter. Und dann war es soweit. Es kündigten sich Superzellen an. Zwei oder drei weit draußen aber auch eine über Frankreich. Ich versuchte verzweifelt einen Hafenplatz zu bekommen. Aber überall hieß es – Wir sind voll –

Ich schrieb an Ciotat, die sagten mir das sie nur ab drei Tagen eine Reservierung über Mail annehmen. Ich soll morgens anrufen.

Ok, kein Problem das tat ich einfach. Aber es ging niemand ans Telefon. Da ich wusste das es heftig kommt, sind wir einfach in den Hafen rein!

Nach kurzer Diskussion,ging es dann doch noch!

Zwei kleine Bötchen wurden beiseite geschoben und wir hatten unseren Platz. Nicht optimal da die vordere Mooring (Befestigung ) für unsere Bootslänge zu kurz war aber es ging irgendwie. Wir waren fest. Gott sei Dank!!

Wir machten einen kurzen Spaziergang durch die Stadt und gingen aber bald zum Boot zurück. Denn man spürte schon die Gewitterzelle.

Kaum an Bord ging es auch bald los. Es gewitterte, der Wind drehte um 180° und wurde zum Sturm. Es war finster wie in der Nacht. Der Sturm drückte unser Boot auf die Mole und wir mussten den Motor starten um weg zu bleiben. Die Alina legte sich ein paar mal richtig auf die Seite. Es war der Horror.

Wir lagen neben der berühmten Ciotat-Werft in der riesige Megayachten refitet werden. Plötzlich hören wir ein lautes sirren und ein ca. 300m langes und vielleicht 8 Etagen hohes Gerüst stürzt um. Der Wahnsinn!! Gott sei Dank von uns weg sonst wären Teile noch auf uns gestürzt.

In diesem Gerüstfach war auch noch kein Boot, die Megayacht von Benetti sollte erst drei Tage später darunter parken. Echt der Horror!

Nach etwa 45 Minuten war der Spuk vorbei und wir konnten durchatmen. Noch regnete es stark aber das sahen wir als willkommene Süßwasserdusche für Alina an.

Als es trockener wurde haben wir uns dann heraus getraut und alles kontrolliert. Bei uns war alles gut aber in der Werft sah es schrecklich aus.

Als wir am nächsten Morgen dann weiter sind haben wir das riesen Desaster erst richtig sehen können. Wahnsinn was das Wetter kann. Dieses Sirren werde ich niemals vergessen.

Nicht weit von uns im Inland ging ein Tornado durch. Vielleicht war es bei uns auch einer. Ich weiß es nicht denn es war stockdunkel.

Wir haben dieses Erlebnis schnell abgehakt und sind an den Calanques (tiefe Einschnitte in der Steilküste) vorbei Richtung Marseille. Diese Strecke ist ein riesen Naturschutz-Park. Die Calanques sind bis auf einen für alle gesperrt und somit schauen wir uns nur kurz einen an und segeln bei noch ungemütlicher Welle ( noch vom Unwetter) weiter nach Marseille.

Unterwegs

Aber auch dort winken sie ab. Voll!!

Also gehen wir auf die Insel Frioul vor Marseille und wettern dort die nächsten Unwetter (aber nicht so schlimm) ab, denn dieser Hafen hat Platz ohne Ende.👏👏👏

Cote’d Azur

Wir segeln einfach an allem vorbei und sind plötzlich auf der Höhe von Monaco. Ein eigenes Land mit eigener Grenze. Hin wollen wir aber nicht. Das ist einfach nicht unsere Welt. Wir betrachten es aus der Ferne 😉 das genügt uns.

Unser nächstes Ziel ist das Cap Ferrat das zu den exquisitesten Wohngebieten der Welt zählt. Weitläufige Villen mit zum Teil bewaldeten Arealen. Die Hauptattraktion ist wohl die Villa der Rothschilds die heute ein Museum beherbergen.

Die Halbinsel kann man über einen schönen Fußweg umrunden. Was wir natürlich tun.

Auf der höchsten Erhebung gibt es eine Signal und Beobachtungsstation, eine Semaphore von 1862 die heute noch zur Beobachtung des Landes genutzt wird um schnell gegen Waldbränden reagieren zu können und auch Richtung Meer für den Küstenschutz und der Seenotrettung. Es wird vom Militär genutzt und die werden wohl noch ein paar weitere Dinge sehen😉.

Semaphore

Wir lassen uns durch den kleinen Ort treiben und kaufen das teuerste Wasser im Supermarkt, ever. Hier erleben wir ein starkes Gewitter das einige Boote am Anker in Bewegung bringt. Aber wir waren fest! Zur Sicherheit lief der Motor aber alles ist gut ausgegangen. Von einem anderen Boot gingen die Leute mit dem Dingi in diesem Moment an Land!🤔 Ihr Boot driftete schon und wir versuchten mit lautem Hupen ihnen klar zu machen das ihr Boot unterwegs ist. Aber keine Chance. Sie kamen nach dem Gewittersturm wieder und fuhren ihr Boot von den Felsen weg auf denen sie nun aufgesessen waren. Wer das wohl versteht?!

Wir sind bald ums Cap nach Villefranche-Sur-Mer auf die andere Seite und haben diesen Ort sehr genossen.

Bald ging es weiter nach Antibes eine schöne alte Stadt mit viel Kunst und schönen Plätzen. Überall findet man Galerien und Veranstaltungen. Die Stadt ist voll und sehr lebendig. Wir genießen das herumstreunen und hoffen Abends die Sonnenfinsternis zu sehen. Aber leider ziehen Wolken auf und wir haben Pech.

Beim nächsten Stopp legen wir uns zwischen die Inseln Saint Margarite und Saint Honorat mit Hunderten Nachbarn. Es ist wirklich irre wie voll es ist aber wir haben noch ein Plätzchen gefunden und können so entspannt das Geschehen beobachten. Am nächsten Morgen legen wir uns aber auf die Nordseite. Denn dort können wir beruhigter an Land und die Insel Saint Margarite umrunden.

Es ist alles irre trocken und ich hoffe nur das hier den Sommer nichts passiert, denn es sind seeeeeehr viele Gäste auf der Insel und natürlich auch Raucher.

Die nächste Nacht gehen wir an die Boje denn wir wollen das tolle Feuerwerk von Cannes bewundern. Wir liegen 2 Seemeilen weg, aber es kommen soviel Boote aus allen Richtungen und legen sich vor Cannes, das man meinen könnte trockenen Fußes rüber hüpfen zu können. Echt der Wahnsinn.

Am nächsten Morgen starten wir durch und machen über Frejus und Port Grimaud an St. Tropez vorbei, über Lavandou und vorbei an Toulon nach Ciotat Strecke, denn es soll etwas kommen.

Einen Gewittersturm haben wir noch an der Boje vor St. Tropez erlebt der uns gefühlt, 2m hat hüpfen lassen wobei eine Festmacherleine geborsten ist.

Nur was jetzt kommen soll ist heftiger. Wir müssen uns einen Hafen suchen und darum geht es so schnell weiter. Alle Häfen winken ab weil sie voll sind. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.

Blumenriviera

Wegen Krankheit eine Woche später😪

Wir verlassen meinen Herzens-Ort, die Cinque Terre und überqueren den Golf von Genua. Wir können leider nicht viel segeln da die Wellen zu hoch sind und der Wind im Verhältnis zu wenig ist. Es wird aber immer wieder probiert und somit ist die Strecke etwas anstrengend. Im Port Andora treffen wir nette Segler aus Mailand mit denen wir einen schönen Abend erleben. Aber leider haben sie nicht unseren Weg. Wir bleiben einen Tag und waschen mal wieder Wäsche und säubern das Boot. Dann geht es an der Blumenriviera vorbei weiter. Ein schönes Hinterland mit malerischen Bergdörfern, aber die Küste ist meistens mit Hochhäusern bebaut. Es gibt aber auch nette Orte wie Cervo die eine Reise wert sind.

Dieser Abschnitt Liguriens wird deshalb so genannt weil es hier sehr viele Blumenfelder gibt die den Großteil der italienischen Schnittblumen produzieren. Aber natürlich auch Gewächshäuser. Da dieses Gebiet auch im Winter sehr mild ist zieht es sehr viele, meist ältere Menschen her die hier überwintern. Diese Küste, an Sanremo vorbei bis nach Menton an der französischen Küste bringen wir sehr schnell hinter uns.

Im alten Hafen von Menton bekommen wir den allerletzten Platz. Direkt an Eingang des Hafens wo die Wellen einlaufen und es für uns sehr rollig macht. Aber egal, draußen in der Bucht wäre es schlimmer gewesen.

Hier wird vorne an einer Boje angelegt und hinten an der Mole mit Landleinen. Das ist das erste Mal für uns aber es klappt wunderbar..

Nach einer schönen Dusche wird die Perle der französischen Riviera genossen. Der Küstenname bedeutet, „Berge die ins Wasser fallen“. Und so ist es auch. Die letzten Ausläufer der Seealpen fallen steil ins Wasser runter. Menton war und ist wieder bekannt für seine Zitronen die sogar heute eine geschützte Spezialität sind.

Aber auch so ist Menton ein wirklich schönes Städtchen. Wir laufen die schöne Terrakotta Treppe hoch zur Altstadt die mit ihren engen Gassen, gesäumt von alten Häusern ein echtes Labyrinth ist.

Obwohl es unsere erste französische Stadt am Festland ist wirkt sie sehr italienisch. Die Gassen sind sehr schattig und es gibt schöne helle und luftige Plätze. Am Ende der Treppe ist die Bühne für das bekannte Kammermusikfestival vor der Kathedrale aufgebaut. Wir laufen bis ganz nach oben und genießen die tolle Aussicht und machen einen Spaziergang über den ältesten Friedhof der Stadt. Er wurde auch mal der aristokratische Friedhof Frankreichs genannt der auf dem Fundament einer Burg errichtet wurde. Viele Reiche Engländer und Russen kamen auch zum sterben hierher.

Wir bewundern die grandiose Aussicht auf die Seealpen und auch auf die Küste.

Wieder unten in der Stadt trinken wir unseren ersten Pastis und fühlen uns erst jetzt in Frankreich angekommen😁.

Pastis, mmmhhh

Auf dem Weg zum Hafen kommen wir noch an der historischen Markthalle vorbei die auffällig und schön mit mehrfarbigen Kacheln versehen ist. Leider ist kein Markt.

Große Hotelpaläste sind zu sehen in denen im 19.Jahrhundert die reichen Engländer und Russen verkehrten.

Und ich denke auch heute noch.

Leider konnten wir nur für eine Nacht einen Platz ergattern, denn die Häfen sind einfach voll und die Wellen in der Bucht zu hoch.

Aber die Stadt hat einiges zu bieten und ist eigentlich eine längere Reise wert.

Doch für uns muss es am nächsten Tag recht früh weiter zur Cote d´Azur gehen.