Nun machen wir erst mal etwas Strecke (3.6.-7.6.23)

Das sind wir unterwegs

Wir verlassen Kalamos nach einem frĂŒhen und kaltem schwimmen, und kreuzen raus mit dem Ziel Messalonghi am Golf von Korinth. Wir bauen auf dieser Strecke das Paragsegel auf. Wir wissen noch nicht genau wo, fĂŒr alle Rollen und Leinen, der beste Platz ist, aber das werden wir mit der Zeit schon lernen. Es dauert nicht mehr so lange bis er steht, und ein wenig wackelig ist er noch. Aber man merkt jetzt schon was fĂŒr ein Gewinn es ist ihn zu haben. Danke Friedel!

Aber es dauert nicht lange und wir haben den typischen Winddreher des Ionischen Meeres. Wir drehen ab und fahren in die Bucht Spilia auf halber Strecke nach Messalonghi. Kurz vorher briest es plötzlich auf 19kn hoch und die Wellen( die noch schlimmer sind) gehen auf 1,5m hoch.

Also den Para wieder runter, was bei 13 Knoten Wind auch keinen Spaß macht. Es schaukelt ziemlich vorne an Deck. Peter turnt am Vordeck rum und ich bin am Ruder und habe vier Leinen in der Hand. :-0 Den Bergeschlauch ĂŒber das Segel ziehen, dann fĂ€llt es automatisch zusammen, alle Stricke vorne ordnen, dann die Luke der Vorderkabine aufgemacht und mit der langen Wurst rein damit. Luke zu , Affe tot 🙂 . Hat alles gut geklappt.

Messalonghi kann es nicht werden das schaffen wir bei diesem starken Wind auf die Nase nicht. So ist das eben beim segeln, die PlĂ€ne richten sich nach dem Wind. Wir steuen eine geschĂŒtzte Bucht in der Nsis Petalas an.

In der Bucht ist es relativ sicher. Aber es kommen mal wieder Gewitter auf. Irgendwie hört das nicht auf. Wir legen auf 5m Tiefe 35m Kette das ist gut und sicher. Als wir fest sind merken wir erst mal das Peters Angelschnur noch draußen war und die sich natĂŒrlich um den Propeller gewickelt hat als wir geankert haben und RĂŒckwĂ€rts gefahren sind. Oh Mist. Also holt Peter sein Tauchzeug raus und befreit uns recht schnell von der Leine. Dann erst mal ankommen und essen. War ein anstrengender Tag mit 24 nautischen Meilen. Abends wird um uns rum wieder alles schwarz. Aber es zieht Gott sei Dank vorbei. Morgens fahren wir noch zu eine Felssteilwand mit Höhle. Ein sehr steiler Weg geht hoch den der Peter erklimmt.

Ich sehe mir die, ich glaube Wanderfalken an die die Dohlen von ihrem Nest fern halten wollen, an. Hier gibt es auch noch andere Greife. Echt schön an zu schauen.

ZurĂŒck am Boot wird alles klar gemacht und wir legen ab. Wenig Wind am Morgen. Im Eingang vom Golf von Korinth können wir wieder den Para setzen und bis kurz vor der langen Einfahrt von Messolonghi auch benutzen. Echt toll.

Zur Stadt fĂŒhrt ein langer Kanal durch eine Lagunenwelt gesĂ€umt mit echt schönen FischerhĂ€usern. Manche vergessen und andere wieder liebevoll aufgebaut zu FerienhĂ€user. Denn Fische gibt es ja kaum noch.

Wir ankern im Hafenbecken und genießen noch den spĂ€ten Abend. Hier bleiben wir drei NĂ€chte da wir uns wieder mit allem zum Leben bestĂŒcken mĂŒssen. Segler schreiben von einer unattraktiven Stadt. Aber sie ist ab der Kirche echt sĂŒĂŸ mit vielen kleinen Gassen und alten HĂ€usern.

Die Stadt heißt auch: „Stadt der Helden“, ein heiliger Ort, eine wasserreiche Naturidylle, unzĂ€hlige Vögel und Fische und das Symbol des nationalen Revolutionsgeistes.

Ich weiß jetzt nicht wie viel ich erklĂ€ren soll, ich möchte nicht das es langweilig wird. Ihr könnt es ja mal im Kommentar sagen ob ich in die Orte tiefer eintauchen soll.

Wir genießen es mal wieder lĂ€nger an einem Ort zu sein. Erledigen kleine Arbeiten, ich mache das deutsche BĂŒro und schreibe vielleicht etwas oder gehe schwimmen. So langsam wird das Wasser ertrĂ€glich.

Es war bisher noch sehr kalt. Das liegt daran das das Wasser hier sehr tief ist und durch den sehr starken Wind noch durchwĂŒhlt wird.

Die drei Tage gehen schnell vorbei, und schon machen wir uns wieder auf den Weg.

Lefkas und Kalamos

Lefkada/Stadt haben wir ja sehr viel wĂ€hrend der Refit Phase mit dem Auto besuchen mĂŒssen darum kannten wir uns auch ziemlich gut aus. Es ist eine sehr schöne grĂŒne Insel an der eben auch viel Regen der von Westen kommt, hĂ€ngen bleibt. Es ist sehr Touristisch aber alles sehr dezent.

Wir haben mit dem Boot einige Tage in der Vlycho-Bay bei Nidri verbracht und hatten somit auch Gelegenheit einige Wandertouren zu machen. Überall findet man ZitrusbĂ€ume im Wechsel mit teilweise uralten OlivenbĂ€umen. Von Kai dem LandschaftsgĂ€rtner habe ich gelern das 1cm Wachstum ca. 50 Jahre sind. Somit gibt es hier sehr viele die bestimmt mehr wie 1000 Jahre alt sind. Echt klasse diese knorrigen AltertĂŒmer.

Wir sind zu einem Wasserfall gewandert und ĂŒber manchen HĂŒgel. Es ist lange nicht mehr die lĂ€ndliche Bauerneinsamkeit oder Provinz wie bei der Werft.

Aber es ist immer einen Besuch wert.

Beim verlassen des Golfes habe wir noch eine Nacht am sĂŒdlichen Ausgang des Kanals verbracht und konnten schön die ein oder ausfahrenden Boote beobachten.

Von dort haben wir dann mal etwas Strecke gemacht und haben uns in eine geschĂŒtzte Bucht auf Kalamos begeben. Denn am spĂ€ten Nachmittag beginnt hier immer ein strammer Wind und dann ist man froh wenn man sicher fest ist. Wir haben den Anker geworfen und zwei Landleinen befestigt. Sicher wie in Abrahams Schoß!

Abends sind wir noch zu einem verlassenen Ort mit einem Kloster rĂŒbergefahren und sind etwas rum gelaufen. Echt schön hier. Auch wieder uralte BĂ€ume.

„BĂ€ume sind HeiligtĂŒmer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfĂ€hrt die Wahrheit.“ Herman Hesse

Kaum geht langsam die Sonne unter kommen unzÀhlige schwarze Ziegen aus den Bergen auf den Weg und laufen Richtung nÀchstem Ort.

Ich glaube hier gibt es nichts anderes wie Ziegen. 😉

Ein schöner einsamer Ort. Es gefÀllt mir sehr hier an diesem Ort. Sehr friedlich!

Aktuelle Situation

Ein FlĂŒchtlingsboot ist 46nm sĂŒdwestlich von Pylos gesunken. Die ganze Dramatik haben wir ĂŒber Funk mitbekommen. Wir sind am Dienstag von Pylos Richtung Kalamata unterwegs und hören immer wieder hektische FunksprĂŒche von Olympic Radio.( Das ist hier die Rettungszentrale)

Das FlĂŒchtlingsboot will sich nicht helfen lassen. Dann darf auch niemand eingreifen da sie in internationalem GewĂ€sser sind.

Ich registriere es erst gar nicht richtig da man kaum ĂŒber Funk etwas versteht. Der Sprecher redet wahnsinnig schnell.

Einzelne Wörter wie, ĂŒberfĂŒlltes Boot mit Menschen, höre ich aber heraus. Dann ist irgendwann Ruhe.

Mich lĂ€sst es nicht los. Es ist einfach furchtbar was hier im Mittelmeer passiert. Jeder weiß es, aber getan wird nichts. Wie gehen wir damit um. Ich mache es immer wieder zum Thema.

Wir haben das GlĂŒck hier geboren zu sein, leben unseren Traum! Und keine 50nm von uns weg beginnt ein Drama.

Mir kommen immer wieder die TrÀnen wenn ich da mithöre. Wir können nicht helfen. Es ist zu weit weg und unser Boot zu klein.

Wir kommen in unserer Übernachtungsbucht Ormos Kolivi an, ankern dort und machen die Elektrik aus. Eben auch das FunkgerĂ€t.

Aber es lÀsst mir keine Ruhe ich trÀume sogar davon.

Am nĂ€chsten Morgen gehen wir sehr frĂŒh Anker auf, da der Weg nach Kalamata recht lang ist. Aber wir mĂŒssen dort hin da wir schlechtes Wetter bekommen. Der Wind ist jetzt schon. Nachmittags bekommen wir bis 24kn Wind.

Am Morgen ĂŒberschlĂ€gt sich wieder das FunkgerĂ€t. Nun wird auch mal ganz deutlich gesprochen und auch sehr eindringlich. Maday relay, Maday Relay, Maday Relay (Das ist ein weitergeleiteter Funkspruch fĂŒr Leben in Gefahr)

Menschen im Wasser, Schiff sinkt, alle Schiffe in der NĂ€he sollen zu den Koordinaten fahren.

Das sind Tanker und andere Große. Kalamata schickt alles was es hat auch eine Fregatte, Hubschrauber etc.

Wir sehen sie abends im Hafen und hören auch stÀndig die Hubschrauber in der Luft.

Unser Hafen wird abgeriegelt denn die Überlebenden werden hier her gebracht. Aber viele haben es nicht geschafft. Details werden wohl genug in den Medien gewesen sein.

Fahnen hÀngen auf Halbmast, Griechenland trauert. Und ich tue es auch.

Irgendwie schĂ€me ich mich gerade das ich dieses Leben fĂŒhren kann und es auch tue.

Hat nicht jeder das Recht, das GlĂŒck fĂŒr sein eigenes Leben zu finden?

Doch, das sollte jeder haben!! Das ist zumindest meine Meinung.

Wir verlassen den Ambrakischen Golf

Einen ganzen Monat haben wir uns zwischen dem Ambrakischen Golf und Meghanisi bewegt.

Das haben wir getan um uns erst mal zwei Wochen zu gewöhnen bis wir den ersten Besuch an Bord begrĂŒĂŸen durften. Erst waren es Reinhard und Tuk die auf einem Motorrad Treffen in Igoumenitsa waren , die uns auf einen Kaffee in Vonitsa besuchten. Es war sehr schön, liebe bekannte Gesichter zu treffen und mit ihnen ein paar Stunden zu verbringen.

Schön das ihr uns besucht habt.

Und am gleichen Abend sind Kathrin und Kai gekommen mit denen wir ein paar Tage auf Alina segelnd unterwegs waren. Wir haben uns in Vonitsa getroffen und Peter und Kai sind dann mit dem Wohnmobil in die Rougha Bay gefahren um es dort stehen zu lassen.

Ich habe Kathrin eingewiesen wie es mit dem Anker auf funktioniert und wir sind erst ein StĂŒck rĂŒber motort und dann sogar gesegelt. Vor der Bucht kam das Vorsegel wieder runter und wir sind den Rest reinmotort. WĂ€hrenddessen habe ich Kathrin die Antiken SteinsĂ€rge in der Steilwand gezeigt. Auch das ankern hat sehr gut geklappt. Das erste Mal fĂŒr mich alles ganz allein.

Dann noch den Dinghi-Motor anschmeißen und rĂŒber zu den MĂ€nnern dĂŒsen. Alle in der Bucht haben mich ganz genau beobachtet 🙂

FĂŒnf wunderschöne Tage haben wir mit euch verbracht, die sehr schön waren.

Nachdem wir euch wieder abgesetzt hatten, haben wir noch etwas Zeit in der Rougha Bay verbracht.

Zum Beispiel sind wir in einer ganz ruhigen Minute Morgens ganz nah an Wolfgangs Steg gefahren um von ihm Wasser zu bunkern. Wir sind knapp 2m tief und mĂŒssen deswegen genau aufpassen. Wir beschließen vorwĂ€rts hin zu fahren und einen Heckanker zu werfen und dann noch eine Landleine zu befestigen. Ich fahre und Peter macht die Landleine. Alles klappt ganz entspannt und wir können unsere Tanks wieder fĂŒllen.

Nachdem wir wieder auf der Ankerposition sind, arbeiten wir noch etwas, putzen und rÀumen auf, und Abends kommen Susann und Wolfgang an Bord zu einem Sundowner. Ein schöner Abschluss von der Rougha Bay.

Morgens geht es Anker auf und wir verlassen wohl fĂŒr immer diese Bucht. Noch eine Nacht in Preveza und dann geht es endgĂŒltig raus aus den Golf.

Es war eine schöne Zeit aber jetzt muss es endlich weiter gehen Richtung SĂŒden, die Peloponnes entlang.

Wetter

Ich möchte nur kurz erwĂ€hnen das wir in Griechenland sind 😉

Im MĂ€rz und April waren wir ja noch auf dem trockenen und haben dort schon sehr, sehr viel Regen, KĂ€lte und StĂŒrme erlebt. Das Boot hat zwar ziemlich vom Wind gewackelt aber wir fĂŒhlten uns sicher und haben uns einfach nach innen verkrĂŒmelt und dort Arbeiten erledigt.

Ertrunken wĂ€ren wir auf jeden ja Fall nicht 😉

Auch ein FĂŒnfer Erdbeben war dabei, so das wir Nachts davon wach geworden sind.

Seid Anfang Mai sind wir nun schon im Wasser und haben drei richtig heftige StĂŒrme mit viel Regen erlebt.

Starkwind war auch genug dabei. Die Einheimischen sagten, das es seid 13 Jahren zu dieser Zeit nicht so schlechtes Wetter war.

Na toll sage ich! Nicht das wir Alina erst mal kennen lernen mĂŒssen, sondern wir mĂŒssen auch erst mal die Seebeine bekommen.

Der erste Gewittersturm kam auf Lefkas /Nidri in der Vlychos Bucht. Wir lagen vor Anker und schliefen. Wir wurden vom pfeifen des Windes wach. 30-35kn ! Beide standen wir eine Weile im Salon und beobachteten alles. Kein anderes Schiff slippte. (so heißt es wenn der Anker nicht hĂ€lt und ĂŒber den Grund rutscht) Das Boot wurde vorne am Anker hin und her gerissen. Jedes mal gab es einen Schlag wenn es auf die andere Seite gerissen wurde. Gott sei Dank ist hier ein guter Ankergrund. Und wir hatten auch bei 5m Tiefe genug Platz fĂŒr 50m Kette. Das sollte halten. Es hielt auch aber das muss man nicht haben. Mir standen die Nackenhaare. Peter blieb zuerst im Salon zur Ankerwache und am frĂŒhen Morgen ich. Alles ist gut gegangen! Als es hell wurde beruhigte sich die Lage.

Das zweite Mal keine Woche spĂ€ter am Stadthafen von Lefkas. Dort war es ĂŒber Tag. Wir wussten das was kommt. Aber so heftig war dann doch nicht klar.

Am Stadthafen fĂ€hrt man rĂŒckwĂ€rts an die Mole und lĂ€sst wĂ€hrend dessen den Anker raus. Kurz inne halten und einfahren und dann weiter rĂŒckwĂ€rts bis an die Mole, um mit zwei Landleinen fest zu machen. Das hat alles ohne Probleme geklappt. Wir hatten genug Abstand zur Mauer und der Anker war weit voraus gut eingefahren.

Und dann kam am Nachmittag der Wind mit 25-30 Knoten direkt auf die Nase (also von vorn).

Von der Seite waren wir durch einen riesen Catamaran geschĂŒtzt. Die Mauer kam immer NĂ€her. Wir mussten den Motor anmachen um uns von der Mole frei zu fahren. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei, um nach zwei Stunden Pause, das gleiche noch mal zu tun. Insgesamt waren es drei Mal. Echt die Hölle. Und Nachts auch noch mal das gleiche. Wir haben uns wieder bei der Wache abgewechselt.

Und das dritte mal war es in Preveza. Wir kamen aus dem Ambrakischen Golf und sahen ĂŒber den ganzen Tag wie sich hinter uns, ganz weit weg, vor den Bergen ein Gewitter sammelte. Kein Problem das war ja hinter uns. Wir konnten gut mit unserem Besuch nach Preveza segeln. Dort ankerten wir wieder auf 3m unter Kiel mit 30m Kette. Alles gut. Noch schön schwimmen (das erste mal das man es konnte) und dann in die wunderschöne Stadt zum essen. Erst hielten wir in einem CafĂ©, saßen keine zehn Minuten als ich merkte das sich von jetzt auf nachher der Wind um 180° gedreht hat und das Gewitter zurĂŒck kam.

Ich sagte nur noch, Peter wir mĂŒssen zum Boot (er saß mit dem RĂŒcken zur Front) und den anderen sie sollen unseres mit begleichen und ich melde mich spĂ€ter. Dann sind wir los gerannt zum Dinghi und rĂŒber zum Boot. Gerade noch rechtzeitig, dann ging es schon los. 35Kn Wind und sehr starker Regen. Man hat keine 50m mehr schauen können. Wieder standen wir im Salon und haben die anderen Boote beobachtet. Gott sei Dank waren auf allen die Eigner vertreten. Zwei, drei waren auf slipp ( sie trieben ab) nahmen aber sofort Anker auf und sind in sicheres Tiefwasser gefahren. Nach 1 Stunde war es wieder ruhiger. Kathrin und Kai haben in der Stadt gegessen und wir an Bord. So ist das eben! SpĂ€ter haben wir sie mit dem Dinghi geholt und noch einen ruhigen Abend verbracht.

So was hatten wir so geballt in unseren 30 Jahren segelei noch nicht. Es reicht jetzt auch. Ich hoffe es wird mal bald etwas stetiger mit dem Wetter. In solchen Momenten habe ich natĂŒrlich vergessen Bilder zu machen aber ein paar von kurz vorher und danach kann ich zeigen.