Die Westküste Sardiniens

Nach dem Starkwind Feld auf Carlaforte sehen wir in der Großwetterlage eine ruhige Zeit und machen uns auf der Westseite auf Richtung Norden. Diese Seite Sardiniens wird normalerweise von den starken West oder Nordwest-Winden (Mistral) gebeutelt. Und das sieht man auch an der Küste.

Eine raue Felsenküste die mit langen Dünen-Stränden unterbrochen wird. Sie wirkt wilder, rauer und ursprünglicher als die Ostseite. Die See ist Gott sei Dank nicht wild und wir können über riesigen Kalkklippen glühende Sonnenuntergänge beobachten, die die alten Minengebäude und Maschinen rot beleuchten und Flamingos in den Lagunen in Schwärmen sehen.

Hier dominiert noch die Natur und es gibt nur kleine Orte mit dezentem Tourismus da wo Dünen sind.

Auf der Sini Halbinsel mit vielen traumhaften Stränden bleiben wir etwas länger. Überall sind Bojen in den Meeresschutzgebieten damit keine Anker das Poseidonia Gras beschädigen. Wenn eine da ist nehmen wir immer eine. Denn ich finde das eine gute Sache. Die Anmeldung funktioniert nicht und es kommt auch nie jemand. Also ist sie sogar Kostenlos.👏👏👏

Wir genießen es hier sehr. Machen Wanderungen auf die Halbinsel und schauen uns das alte Tharros an das 800 Jahre vor Christus von den Phöniziern gegründet wurde und schnorcheln viel in dieser tollen Unterwasserwelt. Ich sehe meinen ersten Tintenfisch der mich aus seinen großen gelben Augen genauso mustert wie ich ihn. Erleben Delfine direkt um unser Boot. Mutter, Vater und Kind. Und wir genießen auch die tolle Ruhe an diesem Ort.

Da wir mal wieder einkaufen müssen machen wir uns auf dem Weg zum malerischen und bunten Ort Bosa. Ich schreibe mit dem Hafen, der im Fluss Temo bei Bosa liegt und bekomme sofort eine positive Antwort mit Bildern und anlege Anweisungen. Einfach perfekt! Es ist etwas spannend in den Fluss zu fahren da wir an der flachesten Stelle nur ein Meter Wasser noch unter uns haben.

Aber es klappt alles super und wir machen uns mit dem Dingi auf in die Stadt zu fahren um durch die engen Gassen zu wandern. Echt schön hier. Eine der ältesten Städte hier an der Westseite.

Wir fahren am nächsten Tag mit dem Dingi weit den Fluss Temu hoch. Hier ist die Zeit stehen geblieben und wir genießen die absolute Ruhe. Vögel sieht man kaum. Diese haben sich bei der Hitze in Büsche verkrochen. Nach einem lecker Essen abends in der Stadt geht es dann auch Richtung Alghero weiter.

Da der Wind gut steht und wir gerade aus einer Stadt kommen und alles haben was wir brauchen, entscheiden wir uns ins Reservat Cala Conte zu segeln. Hier liegen auch wieder Bojen die wir auch benutzen. Es kommt wieder niemand😊. An einem Abend kommt die immer präsente Guardia Finanzia ins Bojenfeld gefahren. Aber sie kontrollieren nur einen Schweizer und fahren zu einem Italiener der ankert. Denn das ist hier verboten.

Er geht später Anker auf, macht an der Boje fest, ist aber am Morgen wieder vor Anker. Sorry, aber das geht gar nicht!!!

Wir interessieren sie nicht.

Hier ist es sehr ruhig in der Nacht. Echt schön.

Unser nächster Ankerstopp bevor es durch die Fornelli Passage geht ist Argentiera eine alte Mine die hier mehr wie hundert Jahre zu gange war. Sie wurde soweit saniert das sie nicht weiter verfällt und an einer kleinen Stelle wird es auch bewirtschaftet. Wir ankern auf Sand. Der Untergrund ist tot. Ich denke die Mine hat damals auch mit Chemikalien gearbeitet.

Am Rand in den Felsen gibt es Leben aber nicht sehr üppig.

Und das nach so langer Zeit.

Doch nun kommt unsere letzte Etappe an der Westseite und wir segeln durch die sehr schmale Fornelli Passage auf die Nordseite Sardiniens und ankern in Karibischem Wasser.

Die Passage muss man genau fahren da sie seeehr flach ist. Doch am Land sind Markierungen die man anpeilen kann und so kommt man auch ohne elektronischen Hilfsmitteln sehr gut und sicher durch. Geniale Sache.

Was mir noch einfällt. Wir haben einen riesigen Mondfisch gesehen. Habe gar nicht gewusst das es sie im Mittelmeer gibt. Aber sie gibt es und wir haben einen gesehen. Wie wunderbar ist das denn!!!!

Auf nach Carlaforte

Kaum ist unser lieber Besuch weg , geht es für uns auch gleich weiter. Denn wir haben uns am Vormittag an die Tankstelle gelegt damit die beiden von dort in das Taxi steigen können. Aber dort müssen wir ja auch wieder gehen.

Unser grobes Ziel ist Carlaforte auf der Insel San Pietro mit einigen Steps unterwegs.

Der Wind ist sehr gut. Wir müssen zwar aus den Golf von Cagliari raus kreutzen aber das macht nichts da wir guten Wind haben. Wir kommen den wartenden Tankern an der Raffinerie manchmal etwas nah aber es ist immer noch Platz genug. Es macht riesen Spass. Die Tanker sind mit ihrer Größe schon etwas Angst einflößend. Man kommt sich daneben echt winzig vor!

Unser erster Stopp ist der Archäologische Park Nora. Diese antike Stadt ist eine der wichtigsten auf Sardinien und vermittelt einen Hauch von Pompeii. Sie ist neben Bosa wohl die älteste Siedlung auf Sardinien und von den Phöniziern gegründet. Es war mal das wichtigste Handelszentrum unter den Puniern und später den Römern.

Ich war schon mal mit meiner Schwester dort und so sind wir nicht an Land sondern weiter Richtung Porto Pino. Ein wirklich schönes Fleckchen Erde.

Ein riesen Strand mit Dünenlandschaft und einer dahinter liegenden Lagune in der allerhand Vögel unterwegs sind.

Wir müssen allerdings am nächsten Tag gleich weiter da es bald Starkwind gibt und den wollen wir in Carlaforte abwettern und uns die Insel anschauen.

Wir halten noch in einer Bucht auf der Südseite von San Pietro bevor wir in den Hafen gehen.

Die Insel wurde in der Antike von Phöniziern, Griechen und Römern als geschützter Hafen genutzt. Sie bauten Ocker ab und betrieben den Thunfischfang (Mattanza). Auch der Apostel Petrus soll der Legende nach hier im Sturm Zuflucht gesucht, und der Insel so den Namen gegeben haben.

Genuesische Korallenfischer wurden von Tunesien hierhin vertrieben und der König Karl Emanuel III. Schenkte diesen Flüchtlingen 1738 die Insel als neue Heimat.

Carlaforte ist ein wirklich liebenswertes Städtchen und wir genießen es sehr. Wir wandern um die alte Saline mit unzähligen Flamingos, Säbelschnabel, Stelzenläufer, weißen Reihern und vielen mehr.

Wandern in die Höhe und mieten uns einen Roller um die Insel zu erkunden. Sehen von oben die Netze der Mattanza, wandern zu einem einfach spektakulären natürlichen Pool an der südwestlichen Steilküste mit riesiger Brandung im Hintergrund und genießen diese Natur in vollen Zügen.

Eine wirklich liebenswerte Insel. Das manche sie lieben

(gelle, liebe Susanne😘)

kann ich sehr gut verstehen.

Aber dann heißt es leider Abschied nehmen. Das Wetterfenster passt für die Westseite Sardiniens und wir machen uns auf den Weg.

150 Seemeilen liegen vor uns

Vor so einer Etappe bin ich immer sehr angespannt. Seid Tagen schaue ich mir verschiedene Wettermodelle an. Und in diesen beobachte ich was sich entwickelt in Wind, Welle und Strömung.

Jedes Wettermodell ist natürlich etwas anders und die Entscheidung nun los zu segeln liegt am Ende natürlich an uns. Diesmal helfen uns bei der Entscheidung, Nina und David die sich für den 4.6. bei uns anmelden. Treffpunkt Cagliari😮.

Also fackeln wir nicht lange.

Das Wetter passt einigermaßen.

Los gehts.

Wir starten kurz nach Sonnenaufgang. Der Wind kommt erst später und so entscheiden wir die ersten Stunden direkt nach Westen zu steuern um dann mit dem Kommenden Westwind nach Norden abzudrehen und mit einem netten Halbwind Richtung Ziel zu segeln.

Die Zeit vergeht eigentlich rasend schnell. Wir hängen ziemlich viel herrum da die letzte Nacht durch aufkommende Wellen nicht besonders erholsam war.

Lesen, schlafen, essen, kleine Arbeiten die noch zu machen sind. Ich muss noch das Moskitonetz fertig nähen und eine Birne in der Vorschiff Kabine wechseln. Wie zuhause. Immer etwas zu tun.

Nach 6 Stunden wechseln wir den Kurs Richtung Norden. Der Wind ist moderat und wir haben kaum Welle. Somit sind wir echt schnell und haben eine 50%ige Ausbeute. Der Wind dreht immer wieder etwas und wir haben viel Segelarbeiten. Abends haben wir die Hälfte und es ist schön mit diesem Wissen ins Bett zu gehen.

Ich übernehme die erste Wache. Wir haben uns angewöhnt, das einfach jeder so lange macht wie es geht und weckt dann den anderen zur Übergabe. Das passt bei uns sehr gut in unseren Rhythmus.

Ich segel also bis um eins. Dabei erlebe ich einen tollen Sonnenuntergang und einen traumhaften Blutmond Aufgang. Wunderschön!

Um eins wecke ich Peter, da ich nicht mehr kann und lege mich in die Messe um zu schlafen. Um sechs übernehme ich wieder und wir frühstücken gemeinsam.

Danach legt Peter sich wieder hin.

In der Endphase nimmt der Wind immer weiter zu und die Wellen sind nun auch sehr hoch. Bis drei Meter. Nicht sehr angenehm. Gut das wir beide nicht Seekrank werden. Der Wind dreht immer mehr auf die Nase. Übersetzt heißt das. Es wird immer ungemütlicher.

Zwei Stunden vor dem Ziel haben wir die Nase voll und stampfen mit dem Motor direkt in die Bucht von Villasimius. 154.1 Seemeilen in 31 Std.

Geht schneller aber wir sind sehr zufrieden. Nun erst mal ankommen, aufräumen (Nach so einer Überfahrt sieht es immer aus wie S…),essen und dann mal ablegen.

Am nächsten Tag gehen wir nach Cagliari in die Marina del Sol. Machen das Schiff sauber und gehen einkaufen denn nun heißt es Familienzeit.

Es ist nur über ein verlängertes Wochenende, leider.

So segeln wir im Golf von Cagliari, wechseln die Bucht wegen Feuerquallen, bewundern wahnsinnige Rennmaschinen (Luna Rossa) auf dem Wasser nur mit Wind angetrieben und gehen echt lecker essen.

Dafür hat sich der relativ spontan an gefühlte Start, wirklich gelohnt.

Schön das ihr da wart und bis zum nächsten mal.😘😘

Kaum sind die beiden unterwegs geht es auch für uns weiter nach Carlaforte

PS. Diesmal haben wir bei der Überfahrt leider keinen Fisch gefangen😔

Wieder an Bord

Mit der Heimreise zu Alina klappt alles ganz wunderbar und an Bord ist auch alles in Ordnung.

Wir klaren alles auf, nutzen mal Süßwasser zum abspritzen und legen uns in die Bucht von Castellamare. Dort erneuern wir alle Schalter der Elektrowinschen . Jetzt sind wir wieder voll einsetzbar und safe. Das ist ein sehr gutes Gefühl. Vom Gutachter und der Versicherung haben wir noch nichts gehört.

Dann geht es weiter Richtung Capo San Vito. Wir halten aber auf halber Strecke in der wundervollen Bucht von Scopello vor einer ehemaligen Thunfischfabrik die nun für edle Events gebucht werden kann. Traumhafte Kulisse! Felsen die überseht sind mit Kakteen und unzähligen Vögeln. Wirklich eine schöne Bucht. Wir nehmen das Dingi und rudern an die Felsküste um etwas zu schnorcheln. Sehen tut man leider nicht sehr viel außer ein tolles Licht unter Wasser oder interessante Felsformationen.😔.

Dann geht es weiter nach San Vito. Dort können wir in einer großen Sandbucht sicher ankern und den Ort genießen und eine kleine Wanderung machen. Wirklich sehr nett hier. Leider haben wir um ein paar Tage das berühmte Drachenfest verpasst.

Die nächste Station ist Trapani. Darauf freuen wir uns schon eine Weile. Im Hafen kann man ankern was immer sehr einladend ist denn die Marina Preise in Italien sind etwas gesalzen und werden von Tag zu Tag teurer und erst zum September geht’s dann wieder runter.

Bei der Einfahrt in den Hafen melde ich uns beim Hafenmaster an. Dieser verkündet das wir gerne dort ankern können aber es muss immer jemand an Bord sein und dies wird auch kontrolliert.

Das ist für uns etwas doof, da wir ja nur zu zweit sind.

Wir ankern erst mal und ich frage doch in der Marina an.

Diese sagt uns aber ab. Also verlassen wir wieder den Hafen von Trapani und segeln mit gutem Wind zur vorgelagerten Insel Favigniana auf der wir ein paar Tage bleiben und auf den richtigen Wind warten der uns nach Sardinien bringen soll.

Wir laufen in die Stadt , wandern auf die Burg und leihen uns noch ein Fahrrad und umrunden den Östlichen Teil der Insel. Wir haben eine schöne Zeit.

Zwischen drin ist immer etwas zu tun und dieses mal konzentrieren wir uns auf das Unterwasserschiff. Denn es soll glatt wie ein Baby-Popo sein damit wir rasend schnell auf Sardinien sind😁.

Denn Nina und David kommen uns in Cagliari spontan besuchen.

Wir springen noch auf die nächste Insel Marettimo und starten von dort mit hoffentlich guten Winden nach Sardinien.

Wir sehen uns dort.😗