TschĂŒss Sardinien

Nach einem abschließenden Spaziergang am Abend verlassen wir nach den Gewittern bei Sonnenaufgang Sardinien.

Mit zwei weiteren Booten haben wir am Nachmittag verschiedene Ideen des Startzeitpunktes diskutiert. Wir segeln als letzte Richtung Sizilien. Die Petite Jolie und die Cutty Sark segeln schon am Abend los. Zu diesem Zeitpunkt ist es uns noch zu gewittrig. Wir haben lieber noch die Nacht abgewartet.

Es heißt also, um fĂŒnf raus aus dem Bett und los gehts. Ca.155sm (248km) in 28 Std.

Die Bedingungen sind gut. Nicht zu hohe Wellen und Wind fast von hinten der nicht zu stark ist.

Peter hat sich wieder hingelegt und ich bin ins dunkle gesegelt. Als die Sonne aufgegangen ist habe ich ihn geweckt und wir haben zusammen den Para (Leichtsegel) gesetzt.

Mit dem Segel machen wir gute Fahrt. So kann es bis zum Schluss weitergehen, was es aber leider nicht tut. Am Ende des Tages mĂŒssen wir leider motoren. Die Wellen sind zu hoch, der Wind zu schwach und so ist der Para immer wieder zusammen gefallen. Das geht zu sehr aufs Material und so haben wir ihn wieder runter genommen. Zum Trost hat Peter kurz vor Sonnenuntergang noch eine Goldmakrele gefangen. Dies hat uns sehr gefreut .

Durch die Nacht haben wir uns wie schon am Tag immer abgewechselt. Die meiste Zeit ist es ruhig. Nur als wir Sizilien immer nÀher kommen, werden auch die Schiffskontakte hÀufiger. Peter muss auch mal mit einem Kreuzfahrtschiff funken da es nicht ersichtlich ist wie es an uns vorbeifahren will. Aber nach einem netten GesprÀch ist alles geklÀrt und es kann ohne weitere Vorkommnisse weiter gehen.

Gegen Morgen habe ich etwas Geschwindigkeit raus genommen damit wir im hellen ankommen. Denn in einem Revier in dem man noch nie war ist es so viel sicherer.

Um halb acht haben wir unseren Anker auf der Insel Favignana in einer Bucht dieses Ägadischen Archipels direkt vor Sizilien, fallen lassen.

Jetzt erst mal schlafen und dann erkunden wir ĂŒber die nĂ€chsten Tage diese Insel.

Diese Insel war bekannt fĂŒr seine Geschichte des Thunfischfangs, der traditionell durch die Mattanza durchgefĂŒhrt wurde. Die Tiere wurden durch ein Labyrinth von Netzen zwischen MĂ€rz und Juni in die sogenannte Todeskammer getrieben wo sie dann mit Enterhaken herausgeholt wurden. Ein riesen Massaker! Dann kamen die Tiere in die Tonnara di Favignana (Thunfischfabrik) der Familie Florio, wo sie in Konserven gefĂŒllt wurden. Sie galt bis in die 1990iger Jahre als die grĂ¶ĂŸte Fabrik des Mittelmeeres und ist heute ein sehenswertes Museum.

Heute gibt es die Mattanza hier nicht mehr, sondern es werden Schleppnetze verwendet die auch nicht besser sind. Das Mittelmeer ist leider völlig ĂŒberfischt.

FĂŒr uns ist dies alles sehr interessant, wenn es auch traurig ist.

Wir genießen die Zeit hier sehr, lernen neue Segler kennen und segeln dann auch bald weiter zur SĂŒdseite Siziliens.

Wir sind sehr gespannt obwohl wir gehört haben das es auf dieser Seite nichts geben soll. Die erste Bucht ist auf jeden Fall schon einmal sehr schön, auch wenn es etwas unruhig ist.

SĂŒdsardinien

In Cagliari liegen wir in einem kleinen und einfachen Hafen mit bekannten Segelbooten zusammen an einem Kai. Peter ist wieder als Mechaniker in der Nachbarschaft unterwegs und ich genieße die Ruhe des Hafens oder trinke bei Bine und Peter auf der Joy, einen Kaffee.

Wir verstehen uns sehr gut und ziehen am Abend auch gerne zusammen durch die Stadt, und lassen unsere Gaumen mit sehr gutem Eis und anderem verwöhnen.

Am Tag spazieren wir in trauter Zweisamkeit durch diese sehenswerte Stadt, die uns sehr gut gefÀllt, in den vielen alten Gassen herum.

Nach ein paar Tagen trennen sich unsere Wege wieder. Die SY Joy segelt nach Westen und wir wieder nach SĂŒden in die Bucht von Villasimius. Denn ich habe Geburtstag und habe mir gewĂŒnscht eine Wanderung auf das Cap zu machen. Aber wir werden uns ja wieder sehen da wir im gleichen Hafen ĂŒberwintern.

Da es an diesem Tag sehr windig ist gehen wir in den Hafen damit wir den ganzen Tag mit einem guten GefĂŒhl weg vom Boot sein können.

Villasimius Hafen

Es wird eine ganz tolle Wanderung, auch wenn es etwas zu heiß ist. Wir genießen es sehr und eine Aussicht ist schöner als die andere. Am Cap machen wir noch ein Picknick und genießen die tolle AtmosphĂ€re hier.

Am Ende klettern wir auch noch zum alten Wachturm hoch und können drei verschiedene Wasser sehen.

Die Bucht in der wir waren, der Hafen in dem wir gerade sind, die Lagune mit Flamingos und die vordere Bucht in der wir bald sein werden.

Am Abend gehen wir noch zur Feier des Tages lecker essen wobei ich mich auf dem Hinweg noch auf die Nase lege und mir den Fuß verstauche. So was dummes. Aber es ist nicht so schlimm!

Am nÀchsten Tag verlassen wir wieder den Hafen und legen uns davor in die Bucht. Als wir vom einkaufen kommen lernen wir noch nette Segler, Sandra und Jörg von der Curiosa kennen.

Wir fahren vorbei und wollten nur „Hallo“, sagen. Und schon waren wir zum Sundowner mit HĂ€ppchen eingeladen. Tolle Menschen und sehr gastfreundlich. So ist das oft unter Seglern und genau das macht auch dieses Leben wertvoll.

Wir genießen noch die Mondfinsterniss zusammen und verabschieden uns dann wieder. Leider treffen wir uns nicht mehr auch wenn wir es vorhatten. Aber das Wetter wollte es nicht, der SY Curiosa war es in unserer Bucht zu rollig. Schade!

Am nĂ€chsten Morgen lernen wir noch Susanne und Chris, von der SY Petite Jolie kennen und verlegen uns zusammen in die Bucht auf der Ostseite. Dort wettern wir die Gewitter mit viel Regen ab, diskutieren mit anderen Seglern wann wohl der beste Zeitpunkt ist um nach Sizilien zu starten und putzen noch das Unterwasserschiff damit uns nichts bremstđŸ€Ł.

Und dann kommt der Zeitpunkt an dem wir zur 170sm langen Überfahrt starten.

DrĂŒckt uns die Daumen.

Der SĂŒdosten von Sardinien

Wir bewegen uns langsam Richtung SĂŒden. GeschĂŒtzte Buchten gibt es leider nicht so viel und da das Wetter sehr unbestĂ€ndig und gewittrig ist, gehen wir dann doch ab und zu in einen Hafen.

Diese gibt es nicht so oft da die KĂŒstenlandschaft eher eine Mischung aus SandstrĂ€nden ( Wie die berĂŒhmte Costa Rei) und kleinen Felsbuchten mit dem Sarrabus Gebirge im Hintergrund, ist.

Im Hinterland gibt es immer wieder Binnenseen die von den vorbeiziehenden Vögeln Richtung SĂŒden gerne fĂŒr eine Pause genutzt werden. Zur Zeit sieht man einige Flamingos aber auch vorbeiziehende weiße Reiher. Ein untrĂŒgliches Zeichen das der Herbst nun anfĂ€ngt.

Nachdem wir bei einer sehr ungemĂŒtlichen Überfahrt mit sehr hoher Welle und zu wenig Wind, 2/3 des Großsegels als StĂŒtze draußen gelassen haben, haben wir uns einen etwa 1,5m langen Riss eingefangen. Also fragen wir im Hafen Corallo an ob wir kommen dĂŒrfen. Es geht klar und wir legen bei 22kn Seitenwind an. Alles klappt super!

Hier lernen wir ganz liebe Menschen von der SY Joy kennen mit denen wir sehr viel schöne Zeit verbringen.

Als wir dann irgendwann einmal starten um weiter zu kommen, kommt auch noch Jörg von der SY Fitou dazu.

Auch dies wird ein harter Ritt und wir haben bald ohne Großsegel keine Chance mehr da gegen anzukommen und mĂŒssen leider mit dem Motor weiter stampfen. Wir haben alle drei das gleiche Ziel. Eine relativ gut geschĂŒtzte Bucht am Ende der Costa Rei. Kaum angekommen bereiten wir alles vor um unser Segel zu nĂ€hen.

Wir wollen gerade anfangen da kommt eine Nachricht der Fitou. „Ihr habt doch Tauchsachen, oder?! Könnt ihr mir helfen, mein Anker hĂ€ngt zwischen Felsen und kommt nicht mehr hoch. Der hat sich total verklemmt.“

Also NÀhzeug wieder weg und die Tauchsachen zusammen suchen. Etwas Àrgerlich aber wir helfen ja gerne.

Mich macht ein nahes Boot immer etwas unruhig und ich kann nicht gut schlafen. Denn man weiß ja nie. Aber nach Ansprache korrigiert er etwas und daraufhin ist es eigentlich gut.

Peter braucht mit der lieben Hilfe von Bine, die schwimmend die OberflÀche sichert und Anweisungen von Peter unter Wasser weitergibt, mehr als eine Stunde. Doch dann ist der Anker frei und die Fitou kann sich einen besseren Platz suchen. Leider etwas nah an uns, aber gut.

Nach dieser Nacht segeln wir ums sĂŒdöstliche Cap Sardiniens in die Bucht Carbonara vor der Stadt Villasimius. Die anderen beiden segeln weiter nach Caligiari, so können wir hier in Ruhe den ganzen Tag das Segel nĂ€hen. Es klappt sehr gut und wir sind bald ein eingespieltes Team mit der Nadel. Jeder auf einer Seite und die Nadel annehmen und zurĂŒck fĂŒhren.

Nach sechs Stunden sind wir mit einer sehr guten Naht fertig und können das Segel noch vor Sonnenuntergang wieder aufziehen. Wir beide sind super glĂŒcklich das wir das geschafft haben.

In der Nacht dreht der Wind auf auflandig und es wird sehr ungemĂŒtlich. So starten wir schon bei Sonnenaufgang nach Cagliari und treffen dort wieder auf SY Joy und SY Fitou.

Sardinien,

ist wirklich eine schöne Insel. Wir bewegen uns langsam Richtung SĂŒden und besuchen verschiedene Buchten. So wie es der Wind zulĂ€sst. Und wir besuchen das ehemals kleinste Königreich der Welt. Die Insel Tavolara liegt vor der Bucht von Olbia und erinnert an einen schlafenden Drachen der jedes Schiff durch seine beeindruckende GrĂ¶ĂŸe begrĂŒĂŸt. FĂŒr Wanderer und Kletterer ein Paradies aber leider nicht im August da es viel zu heiß dafĂŒr ist. Wir ĂŒberqueren die Bucht von Olbia und legen uns vor diese schöne Insel, machen einen schönen Spaziergang und essen Abends im Restaurant des letzten Nachfahren des Königs von Tavolara. Es leben nur noch elf Personen in dieser Mini-Monarchie die schon seid 1962 nicht mehr anerkannt ist. Aber eigentlich existiert sie immer noch, denn Italien hat diese 6km lange Insel offiziell nie einverleibt.

Die Insel genießt es auf jeden Fall mit dieser PopularitĂ€t.

Wie ĂŒberall ist es ĂŒber Tag sehr voll und am Abend wird es wunderschön. Nach einem kleinen Tanz am Strand fahren wir wieder zu unserer Alina und verlassen diese schöne Insel am nĂ€chsten Morgen da das Wetter schlechter werden soll.

Und tatsĂ€chlich. Auf Tavolara setzt sich ein Wolkenhut und fĂŒr die Einheimischen ist klar das es bei diesem eindeutigen Zeichen, Regen gibt.

Wir sind aber inzwischen in einer sicheren Bucht und können diesen Stark Regen gut ab wettern. Nach dem einkaufen und einer kleinen Wanderung die KĂŒste entlang geht es nach ein paar Tagen auch schon weiter.

Wir wollen in einen Hafen und suchen uns la Caletta aus. Wir lernen nette HollÀnder kennen die hier permanent leben und verbringen mit Esther und Clemens zwei tolle Abende. Erleben einen Sardischen Abend mit Tanz und gutem Essen und leihen uns ein Auto um das Inland kennen zu lernen.

Hier ist Sardinien schön wild mit hohen Bergen und einem Tal der Bauern. Wir besuchen eine Tropfsteinhöhle mit dem grĂ¶ĂŸten Stalagmiten Europas (37m) fahren durch die Berge, besichtigen ein altes Grab des Urvolkes von Sardinien und eine schöne Burg mit toller Aussicht.

Nach zwei Tagen geht es weiter Richtung SĂŒden und wir besuchen verschiedene Buchten und erkunden unsere eigene kleine Tropfsteinhöhle in der Cala Luna.

Ich wĂŒrde sagen sehr viel schöner als die berĂŒhmte blaue Grotta.

Hier ist das Höhlenlabyrinth 18km bis ins Inland erforscht. Aber man vermutet das es noch viele km mehr sind und sich tief ins Gebirge zieht. Auch die große Tropfsteinhöhle Ispinigoli, in der wir waren, gehört zu diesem Labyrinth.

Am Morgen stehen wir extra frĂŒh auf um die Höhlen von Cala Luna alleine zu erleben und zeigen dem französischen PĂ€rchen Carolin und Daniele noch unsere Höhle mit dem Dingi. Sie sind begeistert von dieser traumhaften kleinen Tropfsteinhöhle.

ZurĂŒck an Bord, bekommen wir ekelhaften Schwell auf die Seite und Alina schwankt wie verrĂŒckt. So lichten wir einfach den Anker und segeln weiter nach SĂŒden.