Papa ist tot. Am Vormittag versuche ich meine Gedanken zu ordnen. Alles dreht sich in mir. Ich weiß nicht wie ich mit meiner Trauer umgehen soll. Bald habe ich mich gefangen. Was machen wir jetzt?
Soll ich nach Hause fliegen und Peter alleine lassen? Nein das geht nicht. 2300Km alleine fahren finde ich nicht richtig. Ist zu gefährlich!
Bald ist es klar, am Montag den 3. geht es ins Wasser. Wir wollten bis Freitags segeln und dann an der neuen Marina wieder raus. Nach einem Anruf, wissen wir, wir können schon am Dienstag raus. Super, das hat schon mal geklappt. Also bauen wir so manches schon mal wieder zurück. Segel wieder runter und die Luft vom SUP wieder raus. Alles geht irgendwie automatisch.
Wir werden einfach rüber motoren, aus dem Wasser gehen und alles wieder winterfest machen.
Wenn alles gut geht können wir Mittwoch losfahren und am Wochenende wieder zuhause sein.
Ich rufe zuhause an und bespreche unseren Plan mit der Familie . Alle sind einverstanden. Die Beerdigung wird in der Woche danach sein.
Gut! So ist der erste Druck weg und wir können uns heute erst mal sammeln.
Peter steckt am Nachmittag das Fahrrad in den Bus und fährt den Bus zur neuen Marina. Dann steigt er aufs Fahrrad und fährt die 30km zurück.
In dieser Zeit weiß ich gar nicht mehr was ich getan habe. Es ist irgendwie alles leer.
Peter ist schneller wie gedacht. Ich habe noch nicht mal gekocht.
Das tue ich aber nun und wir gehen dann früh ins Bett. Ich bin fix und alle.
Heute ist Samstag 1.10.22. Ich habe wahnsinnig schlecht geschlafen. Um kurz vor acht Griechischer Zeit, Deutschland ist eine Stunde früher, bekomme ich einen Anruf von meinem Bruder.
Papa ist für immer eingeschlafen. Er ist erlöst worden von einer Krankheit von der wir bis vor drei Wochen noch gar nichts wussten. Er hat uns die ganzen Jahre geschützt und es mit sich ganz alleine ausgemacht. Typisch Hegger-Gen.
Papa, ich hätte dich sehr gerne unterstützt in dieser Zeit aber ich verstehe und akzeptiere deine Entscheidung. Du wirst immer bei mir sein das weiß ich und du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben. Ich zeige dir die Welt mit unserer Alina. Tschüss ich habe dich ganz doll lieb.
Am Montag soll es ins Wasser gehen. Darum gehen wir heute mal ins Hafen Büro und begleichen unsere Rechnung. Der Lift-in Termin wird noch mal bestätigt.
Nach einem zweiten Kaffee machen wir dann das Boot endgültig segelfertig. Fender raus, Landleinen raus, Dinghi aufblasen, SUP aufblasen.
In dem Zuge finden wir auch einen Platz für den Tauchkompressor. Nämlich unter meinem Bett!
Peter strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Wir müssen noch etwas umbauen, aber nicht viel. Lüftungsschlitze, eine Öffnung um bei Betrieb das Kondenswasser abzulassen und natürlich die seesichere Befestigung. Leider habe ich vergessen ein Foto davon zu machen.
Es ist schön zu sehen wie Peter sich freut. Ich glaube er hatte schon langsam Zweifel einen Platz zu finden. Hinten rechts ist auch wegen der Gewichtsverteilung optimal. Nur weiß ich jetzt nicht wohin mit der Bettwäsche 🙂
Frisch motiviert holt er auch die kleine Waschmaschine vom Bus hoch. Denn es muss ja auch alles raus aus dem Bus damit wir ihn morgen an die neue Marina stellen können.
Das ist sie
Das ist unser Koreanischer Schatz
und in diese Nische in der Dusche soll sie hin
An den Holzleisten war die Wand befestigt. Also nach hinten noch sehr viel Platz
Peter entfernt die Rückwand in unserer Dusche und wir finden noch ganz viel Spiel nach hinten. Wunderbar! So verschwindet dann die Maschine fast komplett in der Wand. Klasse! Dann keine Laundry’s (Wäschereien) mehr. 🙂
Umbaumaterial finden wir hier überall auf der Werft im Müll. Der Blick geht auf dem Weg zur Toilette immer in die Container.
Konserven, Reis und anderes. Alles zu und ewig haltbar geht natürlich mit an Bord. Was die Leute hier wegschmeißen ist Wahnsinn aber gut für uns. Sie können es eben nicht mit in den Flieger nehmen.
Als wir gestern angekommen waren haben wir auch gleich den Wassertank gefüllt. Das hätten wir vielleicht nicht sofort nach der anstrengenden Fahrt machen sollen. Sondern erst mal eine Nacht schlafen. Denn wir haben vergessen den Wasserablass Hahn zu zu machen. Der war offen da wir ja das Boot im März Winterfest gemacht haben und dort den letzten Rest Wasser aus den Leitungen gezogen haben.
Sorry. Aber so eine Schei….!
Über Nacht ist also das Wasser was wir getankt haben komplett in die Bilge gelaufen. Das ist der tiefste Ort im Schiff. Also haben wir erst mal einen dreiviertel Tag gebraucht um wieder alles raus zu pumpen und von Hand heraus zu schöpfen. Bis wieder alles trocken war hat es ganz schön gedauert. Wir haben über die nächsten Tage immer wieder den Heißlüfter drin laufen lassen um die Feuchtigkeit wieder raus zu bringen.
Das passiert uns hoffentlich nicht mehr. Mache für in den März wenn wir wieder hier sind einen riesen Zettel 🙂
In den folgenden Tagen arbeiten wir sehr viel. Wir sehen eigentlich nur unser Boot und die Sanitären Einrichtungen. Abends gehen wir auch mal essen, aber das ist auch hier im Hafen.
Ja was haben wir bisher gemacht?
Als erstes bin ich an die Borddurchlässe gegangen, damit diese fiesen großen Löcher im Boden des Schiffes wieder geschlossen werden. Es hat sehr gut geklappt. Nochmal sauber geschliffen, Aktivator drauf getan und dann hat Peter sie gut mit Sika von außen eingeklebt. Am nächsten Tag dann das gleiche von innen. Fertig! Wenn wir ins Wasser kommen sehen wir ob alles dicht ist.
Das nächste war es in den Mast zu gehen und die Lampen auf LED zu wechseln und alles zu kontrollieren.
Ein schwieriges Unterfangen. Die erste Winsch am Mast war fast fest. Abbruch! Zu gefährlich!!
Die zweite Winsch noch schlimmer. Die dritte ging dann. Ich habe aber trotzdem tausend Ängste erlebt bis ich den Peter wieder unten hatte. Winschen sind die Rollen über die die Taue der Segel laufen. Das kann man dann mit Kurbeln machen oder wie bei uns auch elektrisch.
Für uns heißt es, alle Winschen warten und reinigen!!!!!
Am heutigen Tag machen wir aber erst noch das Vorsegel dran um zu schauen ob das neue Segel passt.
Und es passt! Wunderbar.
Während Peter den Hauptkasten vom Victron Strom System einbaut schrubbe ich das Deck von anderthalb Jahren Dreck sauber. Eine wahnsinnige Arbeit. Darum gehen wir heute auch Essen.
Am nächsten Tag gehen wir an die Winsch Wartung. Um an die erste ran zu kommen müssen wir die Decke unseres Schlafzimmers demontieren. Da die Schrauben durch die Decke gehen.
Wir machen von jedem Schritt der Demontage Bilder damit wir beim Zusammenbau keine Probleme bekommen. Wir schaffen so an diesem Tag zwei Stück. Allein die Reinigung von allen Teilen dauert je Winsch zwei Stunden. Uraltes verharztes und festes Fett hat alles unbrauchbar gemacht. Danach laufen sie wie neu. Da wurde viele Jahre nichts mehr gemacht.
Nach einem frühen Abendessen packt uns noch mal die Arbeitswut. Peter macht den Dinghi Motor flott und ich räume und verstaue und schmeiß immer noch einiges vom Voreigner weg. Und finden so auch einen guten Platz für meine Eismaschine. 🙂
Es wird immer mehr zu unserem Boot.
Deck schrubbenUnser neues SegelGewürze hängen auch schonNun ist die Familie bei unsWinschen warten, viele einzelne TeileDie aufwendigste Arbeit , die ReinigungPeters Arbeitsplatz zum Winschen zerlegenPeter baut den Victron ein
Um an die eine Winsch zu kommen müssen wir in unserem Zimmer die Decke abschrauben
Nach der Geburt eines neuen Menschleins ist für uns erst einmal die Welt etwas stehen geblieben und wir haben dieses Wunder der Natur genossen. Natürlich nicht die ganze Zeit, aber doch schon. Aber zu schnell kehrt der Alltag wieder ein und es muss weiter gehen.
Nun machen wir es unserem zukünftigen Mieter schön. Fehlende Lampen werden montiert und sich um seinen Strom-Anschlussplan gekümmert. Es kommt ein Schreiner rein und diese arbeiten in jedem Eck mit Maschinen. Also ist dies auch noch ganz schön Arbeit. Zum Schluss wenn alles vorbereitet ist, schließt dies ein Profi an. Es ist also alles safe! Außerdem bekommt er noch eine Empore gebaut auf die er dann seine Holzreste lagern kann. Ich würde sagen, der Mieter wird ganz schön verwöhnt 😉
Unsere Planung für Griechenland geht natürlich auch weiter. Es werden Dinge gesammelt die wir meinen zu brauchen und die wir dann mitnehmen. Am Boot werden wir dann merken das einiges doch unnötig ist und wir werden es wieder mitbringen. Aber das ist ok und ich denke normal, denn wir wissen dass es im März nur noch mit Bordgepäck im Flieger nach Griechenland geht und da können wir keine Technik oder Werkzeuge mehr mitnehmen. Darum machen wir es so.
Für unsere Stromversorgung ist auch alles da. Wir haben dann 3x 180W Paneelen die auf einen Geräteträger (der noch gebaut wird) kommen und 2x 150W für die Reling. Alle Geräte und Kabel mit Anschlüssen sind auch da. Ich hoffe dass wir an alles gedacht haben. Wir arbeiten mit Victron-Geräten die sich im Maritimen Bereich bewährt haben.
Wenn ihr genaueres darüber wissen wollt, schreibt es im Kommentar. Denn ich denke das ist vielleicht sonst zu viel. Ich werde auch noch beim Einbau darüber schreiben. Nun wünsche ich eine schöne Woche 👋
Wir sind Oma und Opa geworden. Darum ist heute alles egal wir freuen uns für Anja und Lukas.
Willkommen lieber Lio in unserer Familie. Ich freue mich darauf mit dir durch Pfützen zu stapfen, im Schlamm zu spielen, Regenwürmer und Schnecken zu beobachten und einfach die Natur zu erleben.
Der Ausstellungsraum hat sich in eine kleine schmucke Werkstatt verwandelt. Irgendwie hat es etwas von Wohnzimmer.
Jeder zweite meinte während der Umbauphase:“ Hier könnte man glatt einziehen.“
Das sind wir nun auch. Nur halt mit der Werkstatt. Sogar der kleine Holder passt noch durch die Türe. Größeres geht dann bald nicht mehr.
In der alten Werkstatt läuft aber auch noch so einiges. Gestern haben wir ein Gerüst gestellt um nun die letzte Wand zu schließen. Hätte ich heute auch sehr gerne gemacht. Aber leider kam eine Wurzelbehandlung an einem sehr schmerzenden Zahn von mir dazwischen. Wand bauen wäre mir lieber gewesen 😉 . Dann halt morgen. Mal sehen.
Endlich ist es geschafft. Der letzte Raum ist fertig. Nämlich der , in dem die Werkstatt weiter bestehen soll. Zumindest so lang der Senior es will. Danach sehen wir weiter.
Bei unmenschlicher Hitze habe ich unseren alten Korkparkett verlegt damit es auch im Winter von unten angenehm warm ist. Da er schon mal verlegt war, war es um einiges mehr Arbeit da ich alle Fugen säubern oder reparieren musste. Während ich am verlegen war wurde hinter mir schon fleißig eingeräumt. Sie können es nicht abwarten.:-) Ich glaube jeder genießt diese Veränderung.
Hey Papa. Siehst du euren alten Ofen. Hier darf er wieder etwas tun. Danke dafür!
Momentan sind wir in unserem ganz normalen Alltag wie die letzten 30 Jahren auch.
Die Arbeit dominiert unser Leben. Es ist gerade wieder viel zu tun. Wir sehen uns zum Essen oder geschäftlich im Büro. Abends ist etwas oder wir sind einfach müde vor dem Fernseher.
Ich bin froh das wir ein Traum vor Augen haben das zu einem Ziel wurde. Ohne dieses Ziel glaube ich, würde ich so langsam verkümmern. Wäre es mir irgendwann zu langweilig. Ich wäre nicht mehr zufrieden.
In den Nachrichten der Welt hört man meist nichts gutes. Oder sehen wir die kleinen guten und schönen Dinge schon gar nicht mehr? Ich weiß es nicht.
Für mich kann es nicht schnell genug aufs Schiff ins neue Leben gehen denn ich möchte die schönen Flecken auf dieser Welt sehen. Die fremden Menschen kennen lernen die zu Freunden werden.
Ich möchte die Hoffnung auf diese schöne Welt nicht verlieren.
Denn die leeren Regale in denen ich schon seid unserem letzten Griechenlandaufendhalt im März kein Öl mehr kaufen kann, und die Kriegsnachrichten jeden Tag und nun auch noch Massaker in Grundschulen, machen mir Angst und ich verliere langsam den Glauben an die Menschheit.
„Mensch: das einzige Lebewesen, das erröten kann. Es ist aber auch das einzige was Grund dazu hat.“Mark Twain
Leider sind es noch vier ewig lange Monate bis es wieder nach Griechenland geht.
Aber in der Zeit passieren auch schöne Dinge. Denn ich will nicht so negativ sein. Wir werden bald Oma und Opa.
Und jedes neue Menschlein bringt Hoffnung auf unseren kaputt gehenden Planeten.
Sorry dafür, das waren einfach mal Gedanken die mich beschäftigen.
Momentan passiert nicht viel. Ich bringe hier an den Gebäuden so einiges auf Vordermann. Es ist in unserer Abwesenheit nicht sehr viel gemacht worden.
Es ist sehr anstrengend aber gibt auch ein gutes Gefühl.
Peter ist voll im Frühjahrs Stress. Es ist nun viel zu tun.
Vom Segel habe ich noch nichts gehört und im Energiemanagment ist der Peter noch dran. Angebote laufen. Mal sehen was es gibt.