Ui

So langsam fange ich an nervös zu werden. Die ganze Zeit fühlte es sich so an als wenn wir einfach wieder zum Schiff gehen und den Rest fertig machen. Aber nun kommt es auch bei mir an, dass wir ja ganz weg gehen.

Ich merke es daran, dass ich immer wieder alles checke. Den Flug, die beiden Busverbindungen nach Preveza und die Unterkunft dort. Da wir ja erst gegen Mitternacht ankommen, haben wir uns entschieden in ein B&B zu gehen denn im Boot müssten wir erst mal alles richten um schlafen zu können.

Hier läuft alles, da mache ich mir keine Sorgen.

Doch erste Zweifel kommen auf.

Mache ich das richtige? Geht das mit uns gut auf dieser Enge? Will ich dieses Leben wirklich?

Ja, Ja, Ja! Ich will!!

Ich darf mich jetzt nicht verrückt machen. Es läuft doch alles gut.

Das ist nur die Aufregung, sonst nichts.

Die Boot

Zwei Tage waren wir in Düsseldorf auf der Messe. Ich habe daheim schon akribisch einen Zeitstrahl erarbeitet und so konnten wir alles sehr zügig abarbeiten. Es hat alles super geklappt. Die Teileliste war an einem Tag abgearbeitet.

Abends haben wir uns dann mit einem Besuch am Trans Ocean Stand belohnt. In diesem Verein der Weltweit wunderbar vernetzt ist, sind wir Mitglieder.

(Verein zur Förderung des Hochseesegelns e. V. )

Wir hatten sehr nette Begegnungen und konnten uns am Nachbarstand, nach Einladung,  auch noch beim Catering satt essen und lecker Bier genießen. Das war einfach ein perfekter Tag auf der Messe.

Die Heimreise nach Kempen die eigentlich knapp eine Stunde mit der Bahn geht hat dann eben 3 Stunden gedauert. Das war dann nicht so toll. 😦

Den zweiten Tag sind wir lieber mit dem Auto gefahren. 😉 An diesem Tag haben wir uns einfach treiben lassen und uns alles angeschaut. Von Megayachten über Tauch und Surfmentalität ist alles vertreten.

Wirklich lohnenswert aber dieses Jahr mit einigen Lücken.

Nun sind wir wieder da und bereiten uns neben der normalen Arbeit auf unsere Abreise vor. Wir fliegen am 1.3.23 nach Athen. One Way!  Ein komisches Gefühl.

Bei meiner Mutter und meiner Schwester habe ich mich jetzt schon in Kempen verabschiedet. Wow. Sehr emotional für mich!  Wir sind ja nicht aus der Welt aber dennoch fühlt es sich so endgültig an.

Ohne Auto!

Nun haben wir kein Auto mehr. Ich habe es gestern zum neuen Besitzer gebracht.

Ein tolles Gefühl. Den Geschäftsbus haben wir noch, aber der kommt auch noch weg!

Es ist toll wer alles gesagt hat: „Gelle, wenn ihr ein Auto braucht hier steht immer eins rum.“

Wirklich toll aber auch der Beweis das viele Autos nur „rumstehen.“

Wir bedanken uns jetzt schon für die lieben Angebote wollen aber auch versuchen im zukünftigen Lebensabschnitt so wenig wie möglich Auto zu fahren. Wird sicherlich vorkommen, aber wir versuchen es.

Ich baue außerdem gerade mein Büro so weit es eben geht auf Home-Office vom Schiff aus, um.

Es geht nicht ganz ohne Unterstützung von hier und das übernimmt der Sohnemann.

Nun bastle ich dran wie ich es machen kann das er so wenig wie möglich tun muss.

Ich hoffe das geht so weit das er nur ausdrucken muss und abheften. Das wäre mein Ziel. Drückt mir die Daumen.

Lebendig!!

Nach dem letzten Eintrag habe ich das besondere Verlangen etwas positives zu schreiben. Nicht das es für mich negativ war sondern wie schon gesagt, „befreiend“, aber ich habe den Eindruck das es mit Beklemmung aufgenommen wurde.

Das positivste überhaupt ist das unser Enkel der nun 5 Monate wird ein ständig lachender Wonneproppen ist und wir ihn fressen könnten.

Und positiv ist, das ich unser Auto verkauft habe und das es so schnell gegangen ist. Aber das ist ja keine Kunst wenn in ganz Deutschland nur 14 von diesem Typ existieren. Aber für uns eben gut.

Nächste Woche fahren wir auf die „boot“ nach Düsseldorf und darauf freue ich mich total. Was mich eigentlich wundert denn ich hasse normalerweise Messen. 🙂

Aber wir brauchen noch ein paar Sachen die sehr wichtig sind wie Seefunkgerät oder das Epirb.

Das Epirb ist eine Notbarke die einen Alarm aktiviert, wenn sie ins Wasser fällt oder wenn wir sie aktiv auslösen. In ihr sind die Daten des Bootes und von uns hinterlegt. Diese gibt ein Signal mit Standortangabe an den Satelliten und von dort geht es dann zu Rettungsstationen.

Man kann sich einfach einen Rettungsping vorstellen der 72 Stunden pingt und eine Armee von Rettung auslöst. Dies macht man auch nur wenn man das Boot verlassen muss weil es brennt und/oder sinkt.

Und es sind noch ein paar Kleinigkeiten auf unserer Liste die wir auch noch abarbeiten müssen.

Noch was positives. Es geht bald los, wir freuen uns wie kleine Kinder.

Jetzt spüre ich die Veränderungen ganz nah

Es ist schon der 6. Dezember vorbei und das Jahr neigt sich mit großen Schritten dem Ende zu. Mit genauso großen Schritten wird Punkt für Punkt auf unserer Liste abgearbeitet .Wie man auf dem Bild sieht klappt die Transformation vom „Selbstständigen Dasein“ zum „Lebenskünstler Dasein“ immer besser, denn heute haben wir das Firmenschild abgehängt. Wieder ein Haken mehr auf der Liste. Ich bin schon über 3 Monate von der Werkstatt weg und Martina und mein Vater meistern die Sache richtig gut. Die Umstellung und die Akzeptanz von Ihm, für unsere Entscheidung werden immer größer. Ich denke Er hat sich in der neuen Werkstatt schon richtig gut eingelebt und kann so seinem Hobby uns seiner Berufung folgen solange er will und kann. Das ist uns sehr wichtig, damit wir ohne Sorgen unseren neuen Lebensabschnitt beginnen können.

Die nächste Herausforderung wird nun die Reisevorbereitung für einen längeren Aufenthalt in Griechenland zu planen und die Arbeiten am Boot zu koordinieren. Schon jetzt sammeln wir viele Kleinigkeiten die wir mitnehmen, besuchen im Januar die Bootsmesse in Köln, hören Onlineseminare und bringen unsre Papiere in Ordnung für den Fall der Fälle. Ja die Veränderungen ziehen sich durch alle Bereiche und der Alltag ist ja auch noch zu meistern. Martina stemmt davon den Löwenanteil und ich bin froh, dass sie die Energie hat und dankbar, dass ich sie an meiner Seite habe bei diesem Abenteuer das wir vor uns haben.

In den nächsten beiden Monaten muss ich bei meinen Aufgaben noch etwas Gas geben aber ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen. Es war die richtige Entscheidung so ein Wagnis zu beginnen und trotz allem Stress überwiegt die Vorfreude auf das was kommt.

Das Schild wird nun abgehängt!

Autor: Peter

Pause

So nun sind wir schon seid drei Wochen zuhause, die Beerdigung eine Weile her. Ich war eine Woche dort und konnte noch einiges an Bürokratie erledigen. Es ist echt wahnsinnig viel an das man denken muss und das auch erledigt werden muss. Meine Geschwister hatten schon sehr viel gemacht. Was macht eine Person die alleine zurück bleibt? Das ist ja unmenschlich!

Die Beerdigung war sehr schön und liebevoll von Mama und Astrid organisiert. Alle waren da!

Nun ist die Zeit des Sammelns. Ich bin wieder zuhause und stürze mich gerne in die Arbeit. Der Alltag tut gut. Das Chaos in den Sinnen wird ruhiger.

Ich wusste nicht das Emotionen sooooo kraftraubend sind. Die Erholung tut nun gut.

Erst wird der Garten auf Vordermann gebracht und dann das Büro. Und wenn dies alles erledigt ist fange ich mal an unserer neuen Boots-Bedarfs Liste an. Sind aber nur Kleinigkeiten aber dafür viele 🙂

Das wichtigste sind die Seeventile und die dazugehörigen Borddurchlässe.

Aber jetzt ist erst mal eine kurze Pause zur Besinnung angesagt.

Also bis dann mal.

Und gleich wieder raus!

4.10.22

Heute gegen Mittag gehen wir wieder raus. Diesmal mit einem Travel Anhänger. Das wird spannend. Es soll erst ein Polnisches Schiff raus kommen. Wir schauen genau zu wie es funktioniert. Aber das liften wird abgebrochen da das Kiel zu breit für seinen Traveler ist und er den erst mal umbauen muss. Also kommt die Ansage das wir vorgezogen werden. Also schnell zurück, Dinghi hoch und Anker lichten. Wir fahren ganz langsam auf die Slipanlage zu und hoffen das wir genug Wasser unter dem Kiel behalten. :-0

Peter am Steuer und ich vorne am Anker. Ganz langsam und in Ruhe läuft alles ab. Es wird professionell und bedacht alles gemacht.

Kaum steht es fest auf seinem Platz legen wir mit dem Rest fürs winterfest machen los. Wassersystem leeren, Motor Glysantin rein, alles abdecken und mit Wolfgang über den Geräteträger sprechen. Irgendwann fallen wir müde ins Bett. Am nächsten Morgen stehen wir sehr früh auf und brechen auf.

Die neue Aussicht von Alina

Jetzt geht es los. Die Rückfahrt klappt gut.

Man sieht viele junge Flüchtlinge auf der Balkanroute. An der Autobahn entlang mit nur dem was sie am Körper haben. Sehr beklemmend. In Belgrad ist der Strom dann zu Ende. Es geht wohl über eine grüne Grenze nach Kroatien.

Wir übernachten zweimal. Und haben immer nette Begegnungen.

Samstags sind wir zuhause und Montags fahre ich mit dem Zug zu meiner Mutter.

Jetzt bereiten wir uns auf die Beerdigung von Papa am Mittwoch vor.

Der Tag an dem die Zeit still stand

Papa ist tot. Am Vormittag versuche ich meine Gedanken zu ordnen. Alles dreht sich in mir. Ich weiß nicht wie ich mit meiner Trauer umgehen soll. Bald habe ich mich gefangen. Was machen wir jetzt?

Soll ich nach Hause fliegen und Peter alleine lassen? Nein das geht nicht. 2300Km alleine fahren finde ich nicht richtig. Ist zu gefährlich!

Bald ist es klar, am Montag den 3. geht es ins Wasser. Wir wollten bis Freitags segeln und dann an der neuen Marina wieder raus. Nach einem Anruf, wissen wir, wir können schon am Dienstag raus. Super, das hat schon mal geklappt. Also bauen wir so manches schon mal wieder zurück. Segel wieder runter und die Luft vom SUP wieder raus. Alles geht irgendwie automatisch.

Wir werden einfach rüber motoren, aus dem Wasser gehen und alles wieder winterfest machen.

Wenn alles gut geht können wir Mittwoch losfahren und am Wochenende wieder zuhause sein.

Ich rufe zuhause an und bespreche unseren Plan mit der Familie . Alle sind einverstanden. Die Beerdigung wird in der Woche danach sein.

Gut! So ist der erste Druck weg und wir können uns heute erst mal sammeln.

Peter steckt am Nachmittag das Fahrrad in den Bus und fährt den Bus zur neuen Marina. Dann steigt er aufs Fahrrad und fährt die 30km zurück.

In dieser Zeit weiß ich gar nicht mehr was ich getan habe. Es ist irgendwie alles leer.

Peter ist schneller wie gedacht. Ich habe noch nicht mal gekocht.

Das tue ich aber nun und wir gehen dann früh ins Bett. Ich bin fix und alle.

Meine Welt steht still!

Heute ist Samstag 1.10.22. Ich habe wahnsinnig schlecht geschlafen. Um kurz vor acht Griechischer Zeit, Deutschland ist eine Stunde früher, bekomme ich einen Anruf von meinem Bruder.

Papa ist für immer eingeschlafen. Er ist erlöst worden von einer Krankheit von der wir bis vor drei Wochen noch gar nichts wussten. Er hat uns die ganzen Jahre geschützt und es mit sich ganz alleine ausgemacht. Typisch Hegger-Gen.

Papa, ich hätte dich sehr gerne unterstützt in dieser Zeit aber ich verstehe und akzeptiere deine Entscheidung. Du wirst immer bei mir sein das weiß ich und du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben. Ich zeige dir die Welt mit unserer Alina. Tschüss ich habe dich ganz doll lieb.

RIP mein lieber Papa

Wir rödeln immer noch

Heute ist Freitag der 30.9.

Am Montag soll es ins Wasser gehen. Darum gehen wir heute mal ins Hafen Büro und begleichen unsere Rechnung. Der Lift-in Termin wird noch mal bestätigt.

Nach einem zweiten Kaffee machen wir dann das Boot endgültig segelfertig. Fender raus, Landleinen raus, Dinghi aufblasen, SUP aufblasen.

In dem Zuge finden wir auch einen Platz für den Tauchkompressor. Nämlich unter meinem Bett!

Peter strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Wir müssen noch etwas umbauen, aber nicht viel. Lüftungsschlitze, eine Öffnung um bei Betrieb das Kondenswasser abzulassen und natürlich die seesichere Befestigung. Leider habe ich vergessen ein Foto davon zu machen.

Es ist schön zu sehen wie Peter sich freut. Ich glaube er hatte schon langsam Zweifel einen Platz zu finden. Hinten rechts ist auch wegen der Gewichtsverteilung optimal. Nur weiß ich jetzt nicht wohin mit der Bettwäsche 🙂

Frisch motiviert holt er auch die kleine Waschmaschine vom Bus hoch. Denn es muss ja auch alles raus aus dem Bus damit wir ihn morgen an die neue Marina stellen können.

Das ist sie

Das ist unser Koreanischer Schatz

und in diese Nische in der Dusche soll sie hin

An den Holzleisten war die Wand befestigt. Also nach hinten noch sehr viel Platz

Peter entfernt die Rückwand in unserer Dusche und wir finden noch ganz viel Spiel nach hinten. Wunderbar! So verschwindet dann die Maschine fast komplett in der Wand. Klasse! Dann keine Laundry’s (Wäschereien) mehr. 🙂

Umbaumaterial finden wir hier überall auf der Werft im Müll. Der Blick geht auf dem Weg zur Toilette immer in die Container.

Konserven, Reis und anderes. Alles zu und ewig haltbar geht natürlich mit an Bord. Was die Leute hier wegschmeißen ist Wahnsinn aber gut für uns. Sie können es eben nicht mit in den Flieger nehmen.