
Ich habe mich wahnsinnig auf Italien gefreut. Die tolle Mentalität, das schöne Singsang der italienischen Sprache, Familie über alles, „Dolce Vita“ und „Bella Figura“, Pizza, Pasta, Eis und viel Geschichte. Und das ist auch so wie ich es mir vorgestellt habe.
Von Griechenland kommend sind wir um den gesamten Stiefel bis nach Rom hoch in den Norden gesegelt.
Hier bin ich schon irgendwie an meine Grenzen herangetreten. Keine Buchten in denen wir uns vor den Wellen und Winden retten konnten. Für eine ruhige Nacht mussten wir uns in Häfen flüchten und diese sind in Italien wahnsinnig teuer. Lagen wir mal in einer Bucht konnten wir nicht an Land denn die allgegenwärtigen Lidos (das sind Strandabschnitte die durch Liegen und Sonnenschirm Vermieter, bewirtschaftet werden) ließen es nicht zu das wir unser Dingi an den Strand legten um dann zu wandern oder einfach nur einkaufen zu gehen.
Jedes Fleckchen der Küste ist in ihren Händen. Oft haben wir gehört;“No,No! Privat“
So konnten wir vom Landesinnere nicht wahnsinnig viel kennen lernen und auch die Menschen wahren weit weg und nicht erreichbar. Das war echt schade!
Auf den Inseln, wie Liparische Inseln, Procida, Ischia, Ventutene, Ponza, Sardinien und Sizilien war es besser. Dort waren wir auch bei tollen Wanderungen unterwegs. Capri haben wir ausgelassen da es uns wirklich zu voll war.
Die Inseln haben wir sehr genossen, da es einfach wieder Buchten gab in denen wir gut schlafen konnten und wir so auch mehr Kontakt zu anderen Seglern hatten. Das Land mit seinen Menschen ist echt toll! Nur das maritime Italien gefällt mir nicht so besonders.
Italien ist ein Motorboot Land. Je größer das Boot desto besser und einflussreicher bin ich. Wenn der Italiener was darstellen will besitzt er es. Es gibt nur Stopp oder Vollgas. Die Häfen sind überfüllt und überteuert und leider lernt man sie nicht kennen da die wenigsten , gefühlt keiner, Englisch spricht.
Auf der Festland Seite fühlte ich mich manchmal wie eine Aussätzige die man nicht haben will die aber sooo gerne den Menschen dort kennen lernen möchte. Denn das ist das einzig wichtige! Die Begegnungen! Denn die Küste ist immer wieder traumhaft schön aber ziemlich ähnlich. Auf dieser Seite sind kaum ausländische Segler unterwegs und die Italiener die da sind können sich eben nicht verständigen.
Viele glauben, wir leben im Paradies und einen Traum. Doch dieser Traum kann auch zum Horror Film werden und ist in der meisten Zeit sehr anstrengend. Wenn wir nicht an Land kommen ist das auch für uns nicht gut. Wir brauchen Bewegung, Begegnungen, verschiedene Persönlichkeiten und Begebenheiten um uns wohl zu fühlen. Und ohne diese wird unsere kleine Alina für uns immer kleiner und enger.
Ich brauche es, das ich an Land gehen kann wann ich will sonst fühle ich mich eingesperrt. Und das war sehr oft so! Ich hatte oft den Gedanken, aufzuhören. So möchte ich das nicht. Ich mag das Land kennen lernen. Die Menschen. Und das Boot ist nur unser Fortbewegungsmittel!!
Das hat dieses Jahr gar nicht geklappt. Wir sind hauptsächlich gesegelt. Es fühlte sich oft an wie das abhaken eines neuen Ortes und dann weiter.
Das lag aber auch daran das wir mehr als 700 Seemeilen zurücklegen mussten um Besuch zu einem geplanten Termin aufzunehmen. Und das bereitet eben sehr viel Stress. Ein anderer Besuch meldete sich und sagte:“Hey ich bin jetzt da ich könnte morgen an Bord kommen.“ Einfach perfekt. 👏 Nur so machen wir es jetzt in Zukunft. Denn ich mag einfach nicht mehr hetzen.
Seglerisch ist das Tyrrhenische Meer sehr anspruchsvoll. Trotzdem hatten wir öfter wunderbare Segel Phasen und dann wieder sehr anstrengende.
Durch das enger werden an Bord habe ich gelernt das es wichtig ist seinen eigenen Raum zu behalten. Seine eigenen Aufgaben und Themen. Ich hatte zwischen drin das Gefühl das dieser Raum immer kleiner für mich wird. Das meine Persönlichkeit verschwindet wie in einem Vakuum. Meine Geschichten werden übernommen, meine Themen und Meinungen. Gibt es mich noch? Oder bin ich nur noch Partner von…? Wie war noch der Name ? , Marina oder Martina?
Im letzten Drittel der Saison haben wir viele liebe Menschen kennengelernt und es hat die Einsamkeit in manchen Abschnitten, wieder wett gemacht. Jede Geschichte ist besonders und ich genieße es sie zu hören.
Das Maritime Italien. Nun wie soll ich das beschreiben?
Die Lido Situation habe ich ja schon erwähnt. Gefühlt hat jeder Italiener ab dem Mittelstand ein Boot oder mietet sich eins. Zum Wochenende wird das Eigentum dann am Freitag Abend auf Hochglanz gebracht und am Samstag morgen geht es dann aus dem Hafen. Mit den vielen Mietbooten zusammen. Dann legt man sich vor den Hafen oder einer eventuellen Bucht, wirft den Anker und hängt dort den ganzen Tag ab um Abends wieder in den Hafen zu fahren. Das wiederholt sich am Sonntag.
So entsteht am Wochenende eine richtige Rush Our in der alle Boote unterwegs sind und Wellen, zum Beispiel vor der Amalfiküste, entstehen, die so hoch und unangenehm sind wie zu einem richtigen Sturm. Ist das Wetter nicht gut, sprich höhere Wellen oder Wind und Gewitter , verbringen sie den Tag genauso, nur eben im Hafen.🤣
Die Menschen die wir kennenlernen durften waren wahnsinnig freundlich und wir haben uns immer wohlgefühlt. Besonders in den einfachen Arbeiterstädten, ich nenne sie „ehrliche Stadt“, war es toll.
Um mal zum Ende zu kommen. Italien ist immer eine Reise wert. Aber lieber von Land her erkunden. 😉😁
Das ist mein persönliches Empfinden über dieses Jahr. Das kann beim Peter ganz anders sein. Ich versuche ihn zu überreden das er sein eigenes Resümee‘ schreibt. Mal sehen.