Marina di Ragusa

Unser Winterhafen

Ich hatte im Frühjahr lange gesucht und mich dann für Marina di Ragusa entschieden um dort über Winter zu liegen. Und ich glaube das war eine gute Entscheidung. Hier befinden sich sehr viele Segler über Winter die auch schon einige Jahre hier sind. Einige davon pflegen ganz rührig die MdR (Marina di Ragusa)-Gruppe auf Facebook. Hier erfährt man alles was in der Community (Gemeinschaft) los ist. Von Treffen zum Sundowner auf der Hauptmole, Happy Our in der Kneipe, wandern am Freitag, Sport, Halloween-Party, etc., bis hin zu Fragen die beantwortet werden, Ersatzteile oder Flohmarkt. Es ist einfach toll.

Neben unseren kleinen Arbeiten lernen wir viele liebe Leute kennen und haben eine tolle Zeit.

Wir wechseln sogar die Ventile während wir im Wasser sind. Das muss ich kurz erklären.

Bei uns gibt es einige Löcher unter der Wasserlinie nach draußen. Toilette (die hier im Hafen natürlich nicht verwendet wird), Abwasser Waschbecken und Küche und natürlich noch andere für den Wassermacher und den Motor. Die Ventile schließen die Löcher wenn man das will.

Und davon müssen fünf gewechselt werden weil die alten sich langsam auflösen.

Normalerweise macht man das wenn das Schiff an Land ist aber ich hatte im laufe des Sommers die Idee das Loch von außen zu schließen denn dafür gibt es schöne Holzpfropfen , die man im Normalfall von innen bei einem Leck verwendet. Wenn das schief gehen würde, würde das Boot sich sehr schnell mit Wasser füllen.

Aber die Idee war gut. Es hat alles wunderbar funktioniert obwohl uns einige für verrückt erklärt haben.

Ich bin außen mit dem SUP im Wasser und mache die „Stöpsel“ rein und Peter wechselt innen die Ventile. Ohne Probleme, war dies recht schnell erledigt.

Sonst haben wir nur Kleinigkeiten zu machen und Peter langweilt sich recht schnell😉.

Während ich unser Boot Winterfest mache ist er schon wieder auf anderen Booten unterwegs und repariert hier und hilft dort.

Es vergehen einfach nur drei/vier Tage und die Nachbarn haben es erlickert das er was kann🙃.

Ich laufe dann nach der Arbeit einfach los und genieße den tollen Strand zum laufen oder gehe mit Freunden ein leckeres Eis essen oder etwas trinken. Mir geht es also gut dabei auch wenn es manchmal nervt.

Aber er hat nun mal riesigen Spaß dabei zu zeigen was er kann.

Abends ist immer was los. Entweder sind wir auf anderen Booten, oder haben mit anderen Seglern einen gemütlichen Abend bei uns an Bord oder gehen wir auch mal essen. Kaum ein Abend an dem nichts los ist.

Das Wetter ist noch sehr schön im Oktober. Der Wind ist zwar oft sehr stark aber wir sind gut und sicher im Hafen, da ist es uns egal. Es regnet aber immer öfter und dann verkrümeln sich alle unter Deck. Das ist der Moment wo es sehr ruhig ist im Hafen. Er wirkt wie ausgestorben. Aber kaum ist der Regen vorbei kommen wieder alle aus ihren Höhlen.

Wir besuchen auch mal mit dem Bus die alte Stadt Ragusa Ibla die seid 2002 zum UNESCO-Menschheitserbe ernannt wurde. 1693 wurde sie wie viele andere Städte durch ein verheerendes Erdbeben fast vollständig zerstört aber sehr schnell auf den Ruinen wieder aufgebaut. Sie ist eine der bedeutendsten Kunst-Städten. Wir lassen uns einfach durch den Ort treiben und genießen es sehr.

Plötzlich ist der Moment gekommen das wir an die Abreise denken müssen. Wir beschließen mit dem Zug zu fahren und noch einige Tage in Rom zu bleiben. Und darauf freuen wir uns sehr.

Die Zeit hier ist rasend schnell vorbei gegangen, mit lustigen Abenden und wertvollen Begegnungen. Habt einen schönen Winter, bis bald.

Wir sind dann mal weg.🖐

Letzter Törn dieses Jahr

Wir gehen früh raus und verlassen Licarta. Bis Marina di Ragusa gibt es keine Möglichkeit mehr zu ankern und so wollen wir mit einem Schlag dorthin. Es ist ruhiges Wetter und wir müssen am Anfang noch motoren. Später geht eine Weile das Segel hoch. Der angesagte Wind kommt leider nicht und so nehmen wir die Segel wieder runter.

Wir kommen an Öl oder Gasplattformen vorbei die scheinbar nicht mehr betrieben werden. Zumindest habe ich keine Informationen darüber gefunden.

Unterwegs machen wir das letzte mal mit unserem Wassermacher, Wasser, und wintern ihn danach ein. Dies muss man tun damit sich keine Mikrorganismen bilden. Und da wir ja bald im Hafen sind machen wir dies lieber hier draußen.

Unterwegs werden wir von einem einzelnen sehr großen Delfin mehrere Stunden begleitet. Er hat sich scheinbar in Alina verknallt😃.

Er kuschelt sich immer wieder an den Rumpf und schlägt auch mal mit seiner Flosse an unser Unterwasserschiff so das es im inneren des Bootes richtig knallt. Irgendwie erinnert dies an die Orca – Attacken an der Portugiesischen Küste.😮

Als wir der Küste wieder näher kommen und die ersten Netze im Wasser liegen verschwindet Flipper wieder. Schade, war sehr schön ihn zu beobachten.

In der letzten Stunde vor der Ankunft kommt dann endlich der gemeldete Wind. Doch jetzt wollen wir auch nicht mehr. Ich melde uns über Funk in der Marina an und wir können direkt rein fahren. Ein Marinerio im Dingi zeigt uns unseren Platz und Peter fährt ohne Probleme in die Lücke.

Wir machen gemütlich fest und kommen erst mal an, trinken unser verdientes Anlege-Bier das jetzt am Ende der Saison besonders gut schmeckt. Es ist toll nach 1900sm (=3500km) ohne Verletzungen im sicheren Hafen angekommen zu sein!!!!

Nun ab zum Hafenbüro, uns anmelden, den Rest bezahlen und gemütlich zu unserer Alina zurück schlendern. Unterwegs sagen wir noch kurz „Hallo“ bei der Petit Jolie.

Am nächsten Tag fangen schon die ersten Arbeiten an denn es soll windig und gewittrig werden. So nutzen wir den windstillen Tag und ziehen das Vorsegel raus damit ich es mit Süßwasser abspritzen kann. Während es dann so vor sich hin trocknet ziehe ich Peter in die Mastspitze.

Denn unser Fall (Leine) um den Para hoch zu ziehen ist aufgescheuert und wir müssen kontrollieren warum das so ist. Es ist Gott sei Dank nicht gerissen doch wir müssen uns leider ein neues besorgen was wir aber erst im Frühjahr in den Mast ziehen werden. Bei der Kontrolle wurden keine scharfen Kanten gefunden. Peter vermutet das es sich mal an einer oberen Maststufe verhangen hat und es deswegen angescheuert ist. Aber super! Keine weiteren Schäden! So kann ich ihn wieder runter lassen.

Jetzt kommt das schlimmste überhaupt.

Vorsegel runter lassen und an Deck falten. Da es ein riesen Lappen ist, ist dies ziemlich anstrengend. Doch wir schaffen es ohne Scheidungsandrohungen 🤣👍.

Ab in den Segelsack und in die Vorschiffskabine. So kann bei den Winterwinden nichts passieren.

Danach ist aber Feierabend und wir machen unseren ersten Ausflug in die Nachbarschaft des Hafens. Echt schön hier!

Weiter geht es an der Südküste Siziliens

Wir segeln gemütlich Richtung Winterhafen.

Das Wetter ist gerade sehr schön ruhig und so können wir uns sogar vor dem Capo Bianco und der Türkischen Treppe über Nacht vor Anker legen. Das ist hier selten so genießen wir es auch ganz bewusst hier sein zu können.

Die Türkische Treppe soll so heißen, weil sarazenische Piraten, die von den normalen Leuten „ Türken“ genannt wurden, sich hier nach ihren Überfällen im Windschatten verankert und versteckt haben. Eine andere Theorie ist, weil dieser weiße Mergel sehr an das türkische Pamukkale erinnert. Man weiß es nicht!🙂.

Die Nacht vor Anker ist nicht mehr ganz so ruhig aber am Morgen fahren wir trotzdem recht früh an Land um diesen schönen Ort alleine zu genießen. Es ist wirklich traumhaft dieser Kreideweiße Felsen. Ein besonderer Ort!

Doch dann geht es weiter. Wir wollen nach Empedocle in den Hafen um in das Tal der Tempel zu gehen.

Im Hafen ist es wirklich sehr eng und nur zwei bis drei Plätze frei. Aber wir quetschen uns in eine 2,5m Bucht mit unseren 4,40m rein und liegen zwischen einem Forschungsschiff mit Sonargerät und einem großen Motorboot wie in Abrahams Schoß. Leider haben wir uns bei dieser Aktion einen Kratzer in die Solarplatte geholt. Was für ein Mist!

Giuseppe der Hafenmeister erklärt alles ganz nett: „Es gibt keine Toilette, da müsst ihr ins Fährterminal. Es gibt eine Dusche hier an meiner Hütte auf der Außenseite die könnt ihr nutzen.“ Die ist aber für alle ersichtlich😂.

Im Terminal leihen wir uns einen Elektroroller und fahren zum Tal der Tempel. Ein wirklich besonderer Ort. Dieser Ort zeigt die Überreste der Stadt Akragas, eine der bedeutendsten antiken griechischen Städte auf Sizilien. Es gibt noch viele Tempel zu sehen die die damalige Größe der Macht und die kulturelle Hochblüte zeigen. Diese größte antike Städte im Mittelmeerbereich ist noch in sehr gutem Zustand.

Wir lassen uns sehr viel Zeit und genießen es sehr.

Empedocle ist eine normale Arbeiter Stadt. Ich sage dazu immer:“Eine ehrliche Stadt.“

Touristen verirren sich selten hierher. Und wenn doch welche mit der Fähre kommen, fahren sie nur zum Tal der Tempel.

Der Hafen wurde nach einem Philosophen benannt der für seine Theorie der Elemente: Erde,Wasser,Luft und Feuer bekannt ist und auch später den Schriftsteller Andrea Camillerie, inspirierte. Ihn findet man als Graffiti an mancher Hauswand.

Nach drei Nächten verlassen wir den Hafen und segeln nach Licata. Wir segeln durch, da die Wellen einen Ankerstopp nicht erlauben.

Licata ist eine alte gewachsene Stadt mit einer Burg und einem modernen Hafen. Hier überwintern auch sehr viele Segler und wir kommen, kaum angelegt, in den Genuss einer aktiven Seglercommunity. Wir werden gleich zur Happy Our eingeladen🤣.

Unterwegs haben wir schon sehr viele Segler getroffen. Und wenn man gefragt hat: „Wo überwintert Ihr?“

Wurde sehr oft gesagt: „Licata“!

Manchmal hatten wir schon das Gefühl das wir in Marina di Ragusa alleine sein werden. Wir werden sehen😊.

Die Stadt ist sehr schön und wir wandern zwei Tage in ihr herum. Abends genießen wir die Gesellschaft anderer Segler.

Aber dann kommt unser letzter Törn in dieser Saison.

Auf geht es zur Marina di Ragusa.

Sizilien

Wir kommen auf dem schönen Sizilien an und segeln an der Südküste vorbei. Einige sagten zu uns, „Segelt nicht an der Südküste vorbei, da ist nichts , geht nördlich vorbei nach Ragusa da ist es viel schöner!“

Wir lassen uns aber nicht beirren denn für die Südseite passt auch einfach der Wind. Wir können so wunderbar segeln wie schon lange nicht mehr. Es macht richtig Spaß! Kaum Welle und mäßiger Wind. Richtiges Kaffee-segeln, herrlich!

Weil es so herrlich ist machen wir auch gleich einmal 40sm. Wir kommen spät bei Porto Palo an.

Eigentlich wollten wir vor den Tempeln von Selinunt ankern aber dort ist es einfach zu unruhig und wir müssen uns neben dem Hafen etwas verstecken. Rein können wir nicht da er zu flach ist und somit den Fischern vorbehalten.

Einer der vielen Tempel

Selinunt ist ein alter Handelsposten aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. mit einigen Tempeln und einem Marktplatz. Es gilt als größtes Archäologische Areal Europas und gehört zu den bedeutendsten griechischen Tempeln in Sizilien. Das gesamte Areal/Land ist das größte der Welt ( aber hier ist ja nichts🤣). Von Wasser her ist es schon sehr schön anzuschauen aber wir entscheiden uns an einer anderen Stätte uns in die Geschichte zu stürzen. Denn hier können wir das Boot nicht gut alleine lassen. Schade, aber so ist es nun mal manchmal.

Wir segeln weiter nach Sciacca und bleiben dort für vier Nächte. Erst legen wir uns vor die Klippen und haben einen traumhaften Abend an Bord mit einem wunderschönen Ausblick auf die Stadt. Die Nacht ist sehr ruhig aber wir legen uns wegen kommenden Wetters recht früh in den Hafen von Sciacca. Das war auch gut so denn kaum sind wir fest geht der Wind los. Roberto der Hafenmeister ist sehr nett (wie alle hier!!) und erklärt uns alles genau. Wir machen das Schiff mal wieder sauber, gehen einkaufen und Abends ruft Roberto beim Roller Vermieter an der uns dann abholt und uns einen Roller vermietet. Wow, was für ein Service.

Sciacca ist eine Hafenstadt und ein Thermalbad. Außerdem ist die ganze Gegend sehr Landwirtschaftlich geprägt und gilt als bedeutendste Weinbauregion Siziliens. Unter den Arabern und den Normannen entstand die heutige Stadt mit der Stadtmauer und dem Kastell.

Die Thermalbäder sind in wunderbaren alten Gebäuden, die aber leider alle zu sind da es politische Querelen gibt, wie man uns erklärt hat.

Der Monte San Calogero oder auch Monte Kronio genannt mit dem unvollendeten Hotel Grande San Calogero ist die höchste Erhebung der Stadt und dort fahren wir auch gleich mal mit dem Scooter hin und schauen uns um.

Der ganze Berg ist ein Komplex von Hypogäums (unter der Erde liegend), in der Luft und Dämpfe in thermischen Phänomenen zirkulieren. In diesen Höhlen sind 38°C und mehr das ganze Jahr zugegen. Die fünf Haupthöhlen gehen als Labyrinth durch den ganzen Berg und der Dampf kommt an einigen Stellen zu Tage. Die Menschen gingen mit ihren Leiden in die Höhlen da diese warmen Dämpfe wunderbare Linderung brachte.

Aber wie gesagt es ist leider alles zu.

Abends lassen wir uns noch in der Stadt treiben.

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Roller ins Hinterland zu der wunderschönen Bergstadt

Caltabellotta mit der normannischen Burg Sibilla.

Auf kleinen, seeehr schlechten Straßen fahren wir durch wunderbar gepflegtes Landwirtschaftliches Gebiet. Mandeln, die jetzt bald geerntet werden, Oliven, Wein, Zitrus, Getreide und vieles mehr. Wirklich schön hier. Wir genießen es sehr!

Die Stadt Sciacca ist es echt wert das man sich dort etwas Zeit nimmt. Das haben wir auch gemacht und sogar noch etwas verlängert.

In dieser Gegend gibt es auch eine nette Legende.

Es geht um eine tragische Liebe einer Sicilianerin und einem Mauren während der arabischen Herrschaft. Er verspricht ihr die ewige Liebe und sie erfährt das er in seiner Heimat Frau und Kinder hat. Somit köpft sie ihn im Schlaf und pflanzt in seinem Kopf Basilikum das hervorragend gedeiht. Und so kann man in der ganzen Gegend die auch bekannt für ihre Keramik ist, diese Porzellan Köpfe kaufen. In allen erdenklichen Formen, Farben und Größen.

Wir genießen die Stadt sehr aber irgendwann muss es dann mal weiter gehen.