Es ist schon ein komisches Gefühl Griechenland nach dieser langen Zeit zu verlassen. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und nur tolle Menschen kennengelernt. Das Segelrevier ist vielfältig und hat tausend Gesichter vom Seychellen-Feeling bis zur Wanderung durch Skandinavien. Einfach traumhaft.
Aber jetzt zieht es uns weiter und wir überqueren das Ionische Meer nach Italien. Korrekterweise überqueren wir die Straße von Otranto. Die Stadt liegt an der Adriaküste.




Die Bedingungen sind gut. Wir haben beim Start das Para-Segel gesetzt (= das ist ein großes Leichtwindsegel das man setzt wenn der Wind mehr oder weniger von hinten kommt) und flogen bei 13-17 kn Wind unserem Ziel entgegen. Wir sind um 6.45 Uhr los und sind um vier griechischer Zeit angekommen. Den Para haben wir allerdings 7 Meilen vor Otranto abgebaut denn die Wellen und der Wind wurden einfach zu stark.
So wurde wieder das normale Vorsegel genutzt um bis zum Ziel zu kommen.


Wir haben uns in die große Bucht vor der Altstadt mit Anker hingelegt. Dort lagen an diesem Sonntag schon ein paar aber die verschwanden dann gegen Abend in den Hafen🤔. Das haben wir jetzt nicht so richtig verstanden. Sie sind 100m in die Bucht gefahren und nach dem Wochenende wieder zurück in den Hafen. Das ist hier wohl so.

Die kleine Hafenstadt Otranto hat eine wundervolle Altstadt und ist die östlichste Stadt Italiens. Sie liegt am äußersten Zipfel des Stiefelabsatzes und hat bedeutende Sehenswürdigkeiten.
Scheinbar gab es die Stadt wohl schon in der Bronze Zeit.
Hinter der Stadtmauer der Altstadt verbirgt sich eine kleine Perle. Die mir sehr gut gefallen hat.



Enge Gassen, Wehrmauern mit Türmen, ein Castello und die Kathedrale Santa Annunziata oder Kirche der Märtyrer.
Die Kirche hat mich besonders beeindruckt. Das schöne ist der Mosaik-Fußboden der schon 1165 fertig gestellt wurde. Es sind Szenen des alten und neuen Testaments. Mich hat aber hauptsächlich fasziniert das dieses riiiiesige Mosaik von einem Pater in drei Jahren gelegt wurde. Echt der Wahnsinn!



800 Gläubige hatten in dieser Kirche vor den Türken Zuflucht gesucht um nicht ihren christlichen Glauben aufgeben zu müssen. Daraufhin haben die Türken 1480 einfach die ganze Kirche samt Gläubige vernichtet. Die Knochen der Märtyrer sind heute in der Gleichnamigen Kapelle hinter Glas zu sehen.
Die Altstadt ist berechtigterweise zum Welterbe der Menschheit aufgenommen worden.
Kaum sind wir angekommen meldet sich Karin, die uns über den Tracker verfolgt. Sie ist nicht weit weg und kommt nach Otranto zu uns an Bord.


So lassen wir uns bis der Wind passt etwas in Otranto treiben und lichten dann zu dritt den Anker um weiter um die Hacke zu segeln.




Sie wird flucks eingewiesen und schon geht es los. Ich glaube sie ist sehr aufgeregt und das darf sie auch sein! Denn man weiß ja nie wie der Körper reagiert. Sie genießt die Fortbewegung mit dem Wind auch wenn wir irgendwann den Motor anmachen müssen um noch im hellen anzukommen.
Wir funken vor dem Hafen rein und man winkt uns zum Liegeplatz. Wir sind in Santa Maria di Leuca und sind zufällig die 276 Stufen hoch zur Kathedrale gelaufen als die Glocken läuten und viele Menschen rufen „Habemus Papam“- Wir haben einen Papst.

Das war irgendwie schon ein besonderer Moment.