Wir wagen den wilden Ritt

7.8.-15.8.23

Wir warten auf einen guten Moment, um den dritten Finger von Chalkidiki zu umrunden.

Das Wetter, sprich der Wind passt einfach nicht. Der Melthimi weht und will einfach nicht nachlassen.

Grün ist ok, aber orange und besonders rot, ist zu viel Wind

Es macht ja nichts da es hier sehr schön ist. Aber wir wollen doch Vasu und Georges unsere Wirtsleute vom Ort treffen. Darum müssen wir langsam den Schritt wagen. Beim ersten Versuch sind draußen zu hohe Wellen und zu wenig Wind. Mit diesem Wind kommen wir nicht gegen an. Wir entscheiden abzubrechen.

Am nächsten Tag probieren wir es wieder. Wir entscheiden um elf spontan Anker auf zu nehmen. Die Wellen sind weniger und der Wind ist um einiges mehr. Wir kommen gut gegen die Wellen voran. Ich habe nur etwas Angst wenn wir auf der anderen Seite von Arthos sind. Denn der Melthimi wütet immer noch und es werden bestimmt hohe Wellen sein.

Am Anfang haben wir recht schnell bis 22kn Wind und kommen somit schon gut voran. Um Arthos rum sieht man sehr viele Klöster. Es wird auch viel gebaut. Wir schauen uns das alles mit dem Fernglas an, da wir dort ja nicht erwünscht sind.

Am Kap vorne ist der Wind eine Weile ganz weg. Aber nur bis er dann so richtig losbricht.

So lange es hell ist kochen wir etwas und stellen dann die Segel auf die Nachtfahrt ein. Der Wind hat noch zugelegt. Aber viel schlimmer sind die Wellen. Die normalen alten Wellen aus Osten und die neuen Windwellen aus Westen. Das gibt furchtbare Kibbelwellen von 5m Höhen. Es ist kaum auszuhalten. Aber da müssen wir nun durch. Wir stellen für die Nacht die Segel ins 2. Reff (=wir verkleinern das Segel) ziehen uns Wetterfest an und legen auch die Schwimmwesten an. Das ist ein Muss bei diesen Bedingungen und der Dunkelheit. Manchmal kommt ein Brecher sogar bis zu uns in die Plicht (=Ruderstand). Ich bin total angespannt und von Schlaf also keine Rede. Zwischen drin hole ich mal die Mundharmonika und spiele etwas um uns wach zu halten und um mich etwas abzulenken. Als ich meine Schicht antrete habe ich kein Auge zugemacht. Peter bleibt auch wach. Wir legen den Kurs auf Thassos. Gegen Mitternacht sehen wir auch erste Lichter und das beruhigt schon etwas. Denn vorher haben wir nichts gesehen außer in der Ferne Wetterleuchten. Dies hat mir aber nur mehr Anspannung eingebracht. Um eins geht Peter runter, schaut auf die Karte und sucht zum Wind die passende Bucht aus.

Es ist Rabenschwarze Nacht als wir in die Bucht reinfahren. Ganz vorsichtig denn im dunkeln ist es echt schwer die Entfernungen richtig einzuschätzen. Ich leuchte mit der Taschenlampe die Bucht ab und wir werfen in sicherer Entfernung vom Land und anderen Booten, den Anker.

Nach einem Anlegebier und etwas runterkommen dann um zwei ab ins Bett.

Sicher angekommen

Bei Morgengrauen werden wir durch lautes Brüllen von dem Schimpfwort „Malaka“ und mit der Faust auf unseren Rumpf geweckt. Ein alter Fischer mit seinem kleinen Boot ist fuchsteufelswild weil wir unseren Anker über seine Netzboje gelegt haben. Die hatte ich mit der Lampe nicht gesehen.

Wir holen den Anker hoch, die Leine ist frei und es ist auch nichts kaputt gegangen. Der Fischer holt das Netz ein und rudert immer noch laut schimpfend bis ans Land. 🙂

Wir ankern um und legen uns wieder schlafen.

Es ist eine sehr schöne Bucht. Von Land her ziemlich voll. Aber das interessiert uns ja nicht. Erst am späten Nachmittag gehen wir an Land und erkunden die Halbinsel. Diese stellt sich als antiker Steinbruch raus, auf der schon vor mehr als 1500 Jahren der berühmte weiße Marmor abgebaut wurde.

Echt wunderschön hier.

Als wir zurückkommen sehen wir das der Wind um 180° gedreht hat und Alina nun Richtung Strand liegt. An Bord erkennen wir das nur noch 3m unter uns sind. Also Anker auf und in eine sichere Bucht wechseln. Eigentlich wollen wir in den Hafen von Thassos aber unterwegs finden wir eine schöne Bucht in der wir dann sogar länger bleiben.

Die nächsten zwei Wochen mache ich hier im Blog eine Pause. Denn unser Sohn mit seiner kleinen Familie kommt zu Besuch. Und da möchte ich jede Minute genießen. 😉

( Hier noch die Übersetzung des Schimpfwortes: Malaka=Wichser, Sorry)